Thailand besteuert Auslandseinkünfte ab 2024

Das thailändische Finanzamt veröffentlichte neue Richtlinien für Steuerbeamte zur Auslegung des Paragraphen 2 des Abschnitts 41 des thailändischen Einkommenssteuergesetzes. Die Änderung der Auslegung hat weitreichende steuerliche Auswirkungen für ausländische Einwohner in Thailand. Bisher waren Steuerresidenten in Thailand, die im Ausland erzieltes Einkommen ins Land brachten, nur dann der persönlichen Einkommensteuer auf diese Mittel unterworfen, wenn das ausländische Einkommen im selben Steuerjahr nach Thailand gebracht wurde, in dem es verdient wurde.

Die neue Interpretation des Einkommenssteuergesetzes sieht jedoch vor, dass Steuerresidenten im Königreich unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem es verdient wurde, persönliche Einkommensteuer auf das gesamte zu versteuernde Einkommen zahlen müssen, wenn sie es nach Thailand bringen. Wenn das Einkommen aus einem Land stammt, mit dem Thailand ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) hat und das Einkommen in diesem Land steuerpflichtig ist, kann der thailändische Steuerresident die im Quellenland gezahlten Steuern auf seine Einkommensteuerschuld in Thailand anrechnen, je nach den anwendbaren Regeln des jeweiligen DBA. Unabhängig von der Existenz eines Steuerabkommens wird das nach Thailand gebrachte ausländische Einkommen jetzt auf die eine oder andere Weise besteuert, unabhängig vom Zeitpunkt.

Übersicht

Am 15. September 2023 veröffentlichte die thailändische Finanzbehörde (TRD) die Dienstanweisung Nr. Paw 161/2566 (2023) bezüglich der Einkommensteuerzahlungen gemäß § 41 Absatz 2 des thailändischen Einkommensteuergesetzes (TRC). Die neu eingeführten Leitlinien werden voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Steuervorschriften haben, die die Repatriierung von im Ausland erzielten Einkommen nach Thailand durch thailändische Steuerresidenten regeln. Die Durchsetzung der Änderungen ist ab dem 1. Januar 2024 geplant.

Bisherige Praxis

Vor der Einführung dieser Dienstanweisung musste ein thailändischer Steuerresident Einkommensteuer auf im Ausland erzieltes Einkommen nur dann zahlen, wenn dieses Einkommen innerhalb desselben Kalenderjahres, in dem es erzielt wurde, nach Thailand überwiesen wurde. Andernfalls blieb das im Ausland erzielte Einkommen steuerfrei, wenn es im darauffolgenden Kalenderjahr nach Thailand gebracht wurde.

Hinweis: Ein thailändischer Steuerresident ist eine Person, die innerhalb eines Steuerjahres insgesamt 180 Tage oder länger in Thailand lebt. Hier findest du mehr zu der 183-Tage-Regel.

Praxis ab 1. Januar 2024 

Gemäß der neuen Dienstanweisung müssen thailändische Steuerresidenten mit im Ausland erzieltem Einkommen in Thailand Steuern zahlen, unabhängig vom Zeitpunkt der Überweisung dieses Einkommens nach Thailand. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Regel ausschließlich für thailändische Steuerresidenten gilt.

Besteuerung der verschiedenen Arten von Auslandseinkommen

Die verschiedenen Arten von Auslandseinkommen, die ab 2024 besteuert werden, lassen sich in unterschiedliche Kategorien einteilen:

  • Einkünfte aus unselbständiger Arbeit: Diese umfassen Gehälter, Löhne, Gratifikationen, Zulagen und sonstige Vergütungen, die im Zusammenhang mit einer Beschäftigung im Ausland stehen.

  • Einkünfte aus selbständiger Arbeit: Hierzu gehören Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit oder aus Gewerbebetrieben, die im Ausland ansässig sind, sowie Einkünfte aus Beteiligungen an ausländischen Partnerschaften.

  • Einkünfte aus Kapitalvermögen: Dazu zählen Dividenden, Zinsen und sonstige Einkünfte aus Beteiligungen an ausländischen Kapitalgesellschaften, sowie Einkünfte aus der Veräußerung von ausländischen Wertpapieren und Grundstücken.

  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung: Einkünfte aus der Vermietung und Verpachtung von Immobilien und sonstigen Vermögensgegenständen im Ausland.

Die Höhe der Besteuerung variiert je nach Art der Einkünfte, wobei insbesondere der progressive Steuersatz auf Einkünfte aus unselbständiger und selbständiger Arbeit sowie der pauschale Steuersatz auf Kapitaleinkünfte Anwendung finden. Bei der Berechnung der Steuerlast werden Freibeträge und steuerliche Abzüge berücksichtigt.

Die neue Regelung zielt darauf ab, eine gerechtere Verteilung der Steuerlast zwischen inländischen und ausländischen Einkünften zu gewährleisten und gleichzeitig Steuerschlupflöcher zu schließen. Damit soll die Steuerehrlichkeit gefördert und das Steueraufkommen insgesamt gesteigert werden.

Auswirkungen auf Ausländer und Einheimische

Die neuen Regelungen könnten sowohl für Einheimische als auch für in Thailand lebende Ausländer finanzielle Auswirkungen haben.

Für Einheimische bedeutet dies, dass sie verpflichtet sein werden, weltweite Einkünfte in ihrer thailändischen Steuererklärung zu melden. Dies betrifft auch Einkünfte aus Ländern, die bisher nicht besteuert wurden, wie zum Beispiel Dividenden, Zinsen oder Mieteinkünfte. Somit können thailändische Bürger möglicherweise höhere Steuerverbindlichkeiten haben, je nach Art und Umfang ihrer Auslandseinkünfte.

Ausländer, die in Thailand ansässig sind, könnten ebenfalls von den neuen Regelungen betroffen sein. Staatsangehörige von Ländern, die Doppelbesteuerungsabkommen mit Thailand haben, müssen prüfen, wie diese Vereinbarungen ihre Steuersituation beeinflussen. Ein positives Ergebnis könnte sein, dass sie in Thailand keine Steuern auf bestimmte Einkünfte zahlen müssen, wenn sie bereits in ihren Heimatländern besteuert wurden. Andererseits könnten Ausländer, deren Heimatländer kein solches Abkommen haben, einer höheren Besteuerung ihrer Auslandseinkünfte unterliegen.

Die Einführung der Besteuerung von Auslandseinkünften in Thailand erfordert, dass sich sowohl Einheimische als auch Ausländer über ihre finanziellen Verpflichtungen im Klaren sind. Es ist ratsam, die Hilfe von Experten auf dem Gebiet der internationalen Besteuerung in Anspruch zu nehmen, um sicherzustellen, dass alle Einkünfte korrekt gemeldet und besteuert werden.

Mögliche Steuerstrategien in Anbetracht der neuen Regelungen

Ab 2024 werden in Thailand erstmals Einkünfte aus dem Ausland besteuert. In Anbetracht dieser neuen Regelungen gibt es verschiedene Steuerstrategien, die Betroffene in Betracht ziehen können, um ihre Steuerlast zu minimieren und rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Verschiebung von Einkommen: Eine Möglichkeit besteht darin, Einkünfte, die im Ausland erzielt wurden, vor Inkrafttreten der neuen Regelung zu realisieren. Dies kann z.B. durch die Verschiebung von Dividenden- oder Zinseinkünften erreicht werden.

Steuerabzüge nutzen: Es ist wichtig, sich über mögliche Steuerabzüge im Zusammenhang mit Auslandseinkünften zu informieren. Dies können z.B. Ausgaben für Werbung, Reisen oder Ausbildung sein, sofern sie im Zusammenhang mit der Erzielung von Auslandseinkünften stehen.

Doppelbesteuerungsabkommen prüfen: Für in Thailand ansässige Personen, die im Ausland Einkünfte erzielen, können Doppelbesteuerungsabkommen hilfreich sein. Diese regeln die Besteuerung grenzüberschreitender Sachverhalte und können dazu beitragen, eine doppelte Besteuerung zu vermeiden. Es ist ratsam, sich über entsprechende Abkommen zwischen Thailand und dem betreffenden Land zu informieren.

Steuerplanung mit Fachleuten: Um mögliche steuerliche Folgen abzuschätzen und geeignete Strategien zu entwickeln, sollten Betroffene auf die Expertise von Steuerberatern oder Anwälten zurückgreifen. Diese können individuelle Lösungen erarbeiten und dabei die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Ein frühzeitiger Austausch mit Experten ist empfehlenswert, um mögliche Steuervorteile zu nutzen.

In Anbetracht der neuen Regelungen zur Besteuerung von Auslandseinkünften in Thailand ist es ratsam, sich frühzeitig mit den möglichen Steuerstrategien auseinanderzusetzen. Durch die Umsetzung geeigneter Maßnahmen können Betroffene ihre Steuerlast minimieren und rechtlichen Konsequenzen aus dem Weg gehen.

Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen auf Thailand

Einerseits könnten die zusätzlichen Steuereinnahmen aus den Auslandseinkünften dazu beitragen, den Staatshaushalt zu stärken und Investitionen in Infrastruktur, Bildung und soziale Dienstleistungen zu ermöglichen. Thailand könnte dadurch seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern und langfristig Wohlstand und Wachstum sichern.

Andererseits besteht jedoch auch die Gefahr, dass durch die Besteuerung von Auslandseinkünften die Attraktivität Thailands als Investitionsstandort abnehmen könnte. Ausländische Investoren und Expats könnten sich aufgrund der erhöhten Steuerlast nach alternativen Standorten umsehen, was negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Thailand haben könnte. Hier findest du mehr Informationen zum Digital Nomad Visum in Thailand.

Darüber hinaus könnte die Einführung der Besteuerung von Auslandseinkünften auch zu einer höheren Komplexität im Steuersystem führen. Damit verbunden wären möglicherweise zusätzlicher Verwaltungsaufwand und steigende Kosten für Steuerzahler und Unternehmen, um dieser neuen Anforderung gerecht zu werden.

Doppelbesteuerungsabkommen

Thailand hat mit 61 Ländern Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen. Wenn das Einkommen aus einem Land stammt, mit dem Thailand ein DBA hat - und das Einkommen in diesem Land steuerpflichtig ist - kann der thailändische Steueransässige die in dem Herkunftsland gezahlten Steuern auf seine thailändische Einkommenssteuerschuld anrechnen, gemäß den anwendbaren Regeln des jeweiligen DBA. Diese Länder haben ein DBA mit Thailand:

Fazit

Die Entscheidung der thailändischen Regierung, ab 2024 ausländische Einkommen zu besteuern, wird zweifellos Auswirkungen auf Expats und Auswanderer haben. Es ist wichtig, dass alle Betroffenen sich über die neuen Steuervorschriften informieren und gegebenenfalls ihre Finanzen neu organisieren, um unerwünschte Überraschungen zu vermeiden.

Wir bieten unseren Kunden eine umfassende Beratung an, um sie bei der Planung und Umsetzung ihrer Auswanderung nach Thailand zu unterstützen. Dadurch erleichtern wir dir den Übergang in dein neues Leben in Thailand.

 
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