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Leben & Arbeiten in Bulgarien
Bei Bulgarien denken wohl die meisten erst an Korruption und Bananenrepublik – wie kann man da nur leben! Offensichtlich wohl doch recht gut, denn die Anfragen von Unternehmer, Selbständigen und digitalen Nomaden bezüglich Bulgarien steigen. Es scheint, als hätte Bulgarien einiges zu bieten.
Zu Gast: Rechtsanwalt Konstantin Ruskov
Die Folge ist auch auf allen gängigen Podcast Plattformen zu finden:
In dem heutigen Podcast (Episode #EP02) sprechen wir mit unserem Gast, Herrn Konstantin Ruskov, einem erfolgreichen Rechtsanwalt mit umfassender Lebens- und Berufserfahrung als in Deutschland und Bulgarien unter anderem über die steuerlichen Rahmenbedingungen in dort. Bulgarien ist 2007 der EU beigetreten und wird immer mehr ein attraktives Zielland für viele Unternehmer.
Digitale Nomaden und Mandanten aus aller Welt
Herr Ruskov ist gebürtiger Bulgare, hat sein Jurastudium in Leipzig sehr erfolgreich absolviert und schon während seines Studiums dort in einer großen Kanzlei wertvolle Erfahrungen im Insolvenz- und Wirtschaftsrecht sammeln können. Seit 2009 ist er wieder in Bulgarien und leitet dort seine wachsende Anwaltskanzlei mit aktuell 20 Mitarbeitern. Viele digitale Nomaden, z.B. aus Deutschland und Österreich, und mittlerweile auch aus Russland, China und den USA holen sich bei ihm Rat.
Bulgarien als potentieller Unternehmensstandort
Für kleinere Unternehmer eignet sich Bulgarien recht gut, denn aufgrund der niedrigen Investitionskosten, wie z.B. relativ niedrige Gehälter und Mieten, und dem relativ einfach gestrickten Flat Tax System von 10% ist Bulgarien vor allem für Investoren aus der IT Branche ein attraktives Ziel, was an der kürzlich hohen Anfrage von Krypto- und Aktienhändlern zu sehen ist. Lediglich größere Investoren machen noch einen Bogen um Bulgarien, denn die schleppenden Verwaltungsverfahren und der nicht einfache Aufbau einer Fabrik oder Halle lassen das vorhandene Interesse leider schnell wieder schwinden. Die Bürger Bulgariens aber wollen Veränderung und gehen auf die Straße, was den diesjährigen Wahlergebnissen zu entnehmen ist, denn die Regierung der vergangenen zehn Jahre hat schlechter abgeschnitten als bisher. Wahrscheinlich wird noch etwas Zeit vergehen, bis sich die Lage ändert, aber Veränderung geschieht nicht über Nacht.
Korruption nicht überall
Bei Bulgarien denken viele auch immer wieder an Korruption, das leidige Thema, aber obwohl es sie dort vor allem bei größeren Investitionen immer noch gibt, kann man, wie man vielleicht denkt, durch einen entsprechenden Schein unter seinem Antrag bei der Anmeldung außer einem Strafverfahren wegen Bestechung wenig erreichen.
Maximal 10% Flat Tax Einkommensteuer
Noch ein Wort zu dem Flat Tax System, denn zu den nur 10% Einkommensteuern kommen für Selbständige auch noch die attraktiven pauschalen 25% Ausgaben, die angerechnet werden, ob sie anfallen oder nicht. Somit beläuft sich der gesamte Steuersatz auf lediglich 7,5%, was schon ein wesentlicher Unterschied zu anderen Ländern ist.
Bulgarisches Bankwesen
Selbstverständlich sind die Banken auch ein Thema, denn ein Konto wird benötigt, und die Eröffnung ist auch in Bulgarien, wie fast überall, nicht so ganz einfach. Ein bulgarisches Konto ist zudem erforderlich, denn Sozialabgaben, Versicherungen, Steuer, etc. können nur durch ein bulgarisches Konto bezahlt werden. Zahlungen von einem ausländischen Konto werden nicht anerkannt.
Lebenshaltungskosten Bulgarien
Neben der Anmeldung und einem Bankkonto darf man seine Unterkunft nicht vergessen, und eine solche ist mit ca. 500 € für etwa 90 m2, recht gut möbliert in Sofia, nahe am Stadtzentrum, nun wirklich nicht überteuert. Wer sucht, der wird auch finden, denn es gibt viele Anbieter im Netz.
Ein Leben in Bulgarien
Herr Ruskov sagt es so schön, wenn man in Bulgarien nicht alleine sein möchte, dann muss man es auch nicht. Wer als Deutscher Kontakt zu anderen Deutschen wünscht, wird über ausreichend Netzwerke fündig und kann sich regelmäßig treffen und austauschen. Wer darüber hinaus bulgarisch lernt, wird auch unter den Einheimischen Kontakte finden. Selbstverständlich gibt es dort auch deutsche Schulen und eine gute Anzahl an täglichen Flugverbindungen in die Heimat, es ist für alles gesorgt.
Kontaktdaten und Links:
Konstantin Ruskov
Homepage: www.ruskov-law.eu
Email: office@ruskov-law.eu
Telefon: Leipzig: +49 341 392 83 40
München: +49 89 21 55 07 31
Sofia/Bulgarien. +359 2 868 45 99
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Timestamps
00:00 - Intro
00:18 - Begrüßung und Einleitung
00:48 - Vorstellung Rechtsanwalt Konstantin Ruskov
02:35 - Bulgarien ist keine Bananenrepublik mehr
03:13 - Die Kanzlei und der Wirkungskreis von Herrn Ruskov
03:53 - Bulgarien als neuer potentieller Lebens- und Unternehmensmittelpunkt
08:11 - Flat Tax System in Bulgarien und die Anrechnung der Ausgaben
12:05 - Als digitaler Nomade nach Bulgarien – Anmeldung, Wohnung, Konto
15:56 - Korruption in Bulgarien
17:43 - Digitalisierung in Bulgarien
18:19 - Besteuerung in der Crypto und Trading Branche
22:04 - Aufbau einer Gesellschaft aus dem Ausland mit inländischem Geschäftsführer
24:17 - Unterkunft finden in Bulgarien
25:57 - Sofia als Ort für Unternehmer
27:17 - Leben und Lifestyle in Bulgarien
29:00 - Umzug mit der Familie – Kinderbetreuung und Schulen
30:13 - Flugverbindungen von und nach Sofia
31:33 - Bulgarischer Wein
31:47 - Make a Long Story Short – Kurze Fragen, Kurze Antworten
33:34 - Kontaktdaten Konstantin Ruskov und Verabschiedung
34:06 - Digitale Nomaden und Steuerpflicht
44:33 - Verabschiedung und Abspann
Mitschrift zur Folge 2 von Perspektive Ausland
Perspektive Ausland – Der Podcast aus London für alle Unternehmer, die es ins Ausland zieht. Ermöglicht durch freundliche Unterstützung der Steuerkanzlei St Matthew aus London.
00:18 - Begrüßung und Einleitung
Herzlich Willkommen bei Perspektive Ausland, der Podcast für alle Unternehmer, die es ins Ausland zieht. Mein Name ist Sauerborn, außerdem mit dabei Sebastian Sauerborn als Gastgeber und Inhaber der Steuerkanzlei St Matthew in London.
Heute sprechen wir über Bulgarien, das Leben dort und natürlich auch über die steuerlichen Rahmenbedingungen. Dazu haben wir den Anwalt Konstantin Ruskov zu Gast. Er stellt sich zunächst vor, erzählt uns seinen Werdegang und was ihn an Bulgarien gereizt hat.
00:48 - Vorstellung Rechtsanwalt Konstantin Ruskov
Kontantin Ruskov: Hallo an alle Zuschauer, was mich an Bulgarien so gereizt hat, ja natürlich, ich bin in Bulgarien geboren und aufgewachsen, ich bin Bulgare.
Sebastian: Ist ein guter Grund, ja.
Magnus: Der geht auf jeden Fall für alle.
Konstantin Ruskov: Allerdings dann bin ich mit 19 Jahren nach Leipzig gegangen, um dort Jura zu studieren, hat sich im Nachhinein als eine sehr gute Entscheidung herausgestellt. Der Anfang war natürlich nicht sehr einfach, speziell in Deutschland Recht zu studieren, und noch dazu in Sachsen, gar nicht so leicht.
Sebastian: Man versteht ja auch niemanden, das ist das Problem (lacht).
Konstantin Ruskov: Ich war ein fleißiger Student, ich war fleißig genug, um beide Staatsexamina zu bestehen ohne nachholen zu müssen, was dazu geführt hat, dass ich 2016 mit dem zweiten Staatsexamen fertig war, und ich hatte schon fünf Jahre lang davor bei einer großen Kanzlei in Leipzig, die sich mit Insolvenzrecht beschäftigt hat einige Erfahrung im Wirtschaftsrecht gesammelt und dann im Jahr 2007 so in einer Art leicht geistiger Umnachtung, am Anfang war es nicht nur einfach, habe ich mich entschlossen, mich selbständig zu machen. Zwei Jahre lang war ich alleine im Einzelhandel in Leipzig, das war keine so schöne Zeit in meinem Leben. Dann habe ich gesehen, dass fast jeder, der mich aufsucht, hat irgendwie bald damit verbunden, dass ich Bulgare bin und natürlich, dass ich irgendwas in Bulgarien mach. Es war damals noch so, es ist manchmal immer noch so, viele in Deutschland, wenn sie Bulgarien hören, denken sie, Bulgarien ist ein Dritte Welt Staat, eine Bananenrepublik.
02:35 - Bulgarien ist keine Bananenrepublik mehr
Magnus: Genau, da muss man vielleicht mal einhaken, Bulgarien ist 2007 der EU beigetreten,
Kontantin Ruskov: Bulgarien ist 2007 der EU beigetreten. Meine persönliche Meinung ist, Bulgarien hat in sehr, sehr vieler Hinsicht nachzuholen, aber eine Bananenrepublik ist es nicht mehr. Das heißt, die EU Gesetzgebung greift, das Europäische Steuerrecht greift, Personenverkehr, Finanzverkehr, Dienstleistungsfreiheit, all das ist unproblematisch.
Magnus: Aber das heißt, jetzt im Moment sitzen Sie in Bulgarien, während wir sprechen.
03:13 - Die Kanzlei und der Wirkungskreis von Herrn Ruskov
Konstantin Ruskov: Ich bin in Sofia, ja. Ich bin 2009 insgesamt nach Bulgarien zurückgekehrt, alleine, und von da an ging es bergauf. Ich habe zur Zeit 20 Mitarbeiter - Anwälte, Juristen, Steuerberater, Buchhalter. Die Kanzlei ist zu einem Großteil auf das Wirtschaftsrecht ausgerichtet, über die Hälfte der Leute sind von der Steuerabteilung, fast alle unsere Mandanten sind Ausländer, also in Bulgarien Ausländer, sehr viele kommen aus Deutschland, Österreich, aber wir haben inzwischen Mandanten aus Russland, China, USA, …
03:53 - Bulgarien als neuer potentieller Lebens- und Unternehmensmittelpunkt
Magnus: Auch Sebastian wird von Mandanten immer wieder auf Bulgarien als neuer, potentieller Lebens- und Unternehmensmittelpunkt angesprochen.
Sebastian: Interessanterweise hatte ich jetzt die letzte Woche ein Telefonat mit einem Mandanten aus Deutschland, der nach Bulgarien umgezogen ist, schon vor fünf Jahren, und ja, der hat sehr gute Erfahrungen da gemacht, dem gefällt es da sehr gut, er hat den Umzug nicht bereut, er hat auch keinen Bulgarischen Hintergrund oder so, doch, ich glaub‘ seine Frau ist von Bulgarien, aber ja, ich meine, wir werden sicher darauf zu sprechen kommen. Herr Ruskov, in Bulgarien gibt es ja interessante, was Körperschaften betrifft, interessante steuerliche Modelle, und einen relativ geringen Körperschaftsteuersatz und es zieht natürlich viele Leute an, und insofern ist natürlich Bulgarien sicherlich auf dem Radar generell bei Unternehmern, die international tätig sind.
Magnus: Herr Rustov, können Sie den typischen Mandanten mal skizzieren, den Sie haben, der Sie anspricht, der sagt, ich möchte entweder eine Gesellschaftsform in Bulgarien gründen oder auch selbst meinen Lebensmittelpunkt nach Bulgarien verwandeln?
Konstantin Ruskov: Kann ich, natürlich, aber vorab möchte ich auch ein bisschen ausholen. Bulgarien ist in jeder Hinsicht noch nicht ganz in die EU gelangt, wir haben bedauerlicherweise großen Nachholbedarf in Rechtstaatlichkeit, die Gerichte funktionieren nicht immer so gut, meiner Meinung nach besser als ihr Ruf ist, dafür ist die Verwaltung nicht so toll. Die Strafverfolgungsbehörden sind nicht so toll, was dazu führt, dass vor allem größere Mandanten, also größere Investoren, die in letzter Zeit in Bulgarien wirklich was großes und auf Dauer aufbauen möchten, relativ rar sind in den letzten Jahren, denn für sie gestaltet sich eine Investition in Bulgarien als langfristig schwierig, und ich kann es auch teilweise nachvollziehen.
Magnus: Aber das heißt, sie kommen am Anfang vielleicht noch mit einem gewissen Interesse hin und werden dann schnell desillusioniert, oder woran liegt es?
Konstantin Ruskov: Vor allem. Die Verwaltungsverfahren ziehen sich manchmal sehr, sehr, sehr lange. Vor allem in der Provinz hat man oft schlechte Erfahrung, sammeln die mit schlechtem Management in der Verwaltung, wen sie z. B. eine Fabrik oder eine Halle oder ein Werk aufbauen möchten. Manche haben Probleme einfach mit korrupten Umgangsformen und deshalb ist für sie speziell, äh, sie lassen es sein, sie machen einfach einen weiten Weg um Bulgarien, immer noch, was mir natürlich nicht gefällt. Dafür gehen ja auch hier die Leute auf die Straße, dafür haben wir auch letzte Woche eine Parlamentswahl, wo die derzeitige Regierung, die die letzten zehn Jahre regiert hat, nicht so toll abgeschnitten hat, was mich natürlich nicht so sehr freut, aber bis sich die Lage bessert, und ob, wird meiner Meinung nach noch einige Zeit vergehen. Aber dafür für kleinere Unternehmer eignet sich Bulgarien eigentlich ziemlich gut. In letzter Zeit, erstaunlicher Weise, haben wir viele Anfragen von Cryptohändlern und Aktienhändlern, die dann nach Bulgarien umziehen möchten, weil bei Aktien, wenn jemand auf der Börse mit Aktien handelt, der wird in Bulgarien mit 10% Einkommensteuer besteuert, und das ist alles. Also, wie gesagt, das Bulgarische Steuerrecht ist eigentlich ziemlich einfach gestrickt, man bezahlt einfach 10% Einkommensteuer, man bezahlt 10% Körperschaftsteuer bei Gesellschaften und es ist eine Flat Tax, das heißt, man bezahlt nur 10%, und mehr ist da nicht drin. Natürlich, vor allem für solche Investoren, also z.B. aus der IT Branche, die sich in Bulgarien niederlassen, die mieten sich also hier ein, die Gehälter der IT Ingenieure sind in Bulgarien im Vergleich zu Deutschland immer noch um etwa 25% niedriger und wenn man die Lohnnebenkosten dazurechnet, die in Bulgarien auch geringer sind, sind die Investitionskosten dann doch etwas wenig geringer, also nicht besser aber ziemlich gering im Vergleich zu Deutschland.
08:11 - Flat Tax System in Bulgarien und die Anrechnung der Ausgaben
Magnus: Es wird oft erwähnt, dass in einem Flat Tax System in Bulgarien die Ausgaben quasi nicht angerechnet werden. Herr Ruskov erklärt uns, was es damit auf sich hat.
Konstantin Ruskov: Das stimmt, und das stimmt nicht. Das hängt davon ab, welche Rechtsform man wählt. Also wenn man eine Gesellschaft gründet, also eine GmbH zum Beispiel, dann wird der Gewinn besteuert. Der Gewinn sind Einnahmen minus Ausgaben. Die Ausgaben werden reingerechnet. Und auf den Gewinn bezahlt man 10% Körperschaftsteuer. Einzig im Vergleich zu Deutschland ist, dass manche Ausgaben, die man aus Deutschland kennt, wie zum Beispiel Werbekosten, Geschäftshaltung, sie dürfen in Bulgarien nicht berechnet werden, aber das sind in der Regel alles kleinere Beträge, ansonsten natürlich Miete, Gehälter, Strom, all das was mit der Gesellschaft zu tun hat, das wird natürlich mit einberechnet. Aber man hat auch die Möglichkeit, sich als einen Selbständigen anzumelden, das heißt also als Freiberufler. Das nutzen viele Leute aus der IT Branche, IT Ingenieure, und wenn diese sich als Selbständige anmelden, dann haben sie auch eine Einkommensteuer von 10%. Allerdings ist hier das Steuerrecht sehr vereinfacht und bei ihnen werden die Geschäftsausgaben nicht anerkannt, das bedeutet, sie bezahlen 10% Einkommensteuer auf ihre Nettoeinnahmen, das bedeutet, wenn sie 100.000 € Einnahmen haben im Jahr, werden diese Hunderttausend grundsätzlich mit 10% besteuert. Allerdings sagt das Steuerrecht, als Ausgleich werden bei der Steuerberechnung 25% der Einnahmen automatisch als Ausgaben anerkannt, egal ob diese anfallen oder nicht anfallen. Und speziell bei Freiberuflern sind die Ausgaben doch eher gering, also weniger als die 25%, eine einfache Rechnung: wenn jemand 100.000 € Einnahmen hat im Jahr, dann werden ihm 25% pauschal als Ausgaben anerkannt und die restlichen 75.000 € werden dann mit 10% besteuert. Und der gesamte Steuersatz würde dann 7.500 € im Jahr betragen.
Magnus: Das ist dann schon ein wesentlicher Unterschied jetzt beispielsweise zu Großbritannien, oder Sebastian, was Du von London, etc. her kennst, da erlebst Du ja andere Sachen oder eine andere Zielsetzung. Kannst Du dazu was sagen?
Sebastian: Absolut, also ich meine, klar, in den ganzen traditionellen, sag ich jetzt mal, Ländern wie jetzt UK oder auch Irland und so weiter ist natürlich beim Freiberuflerstatus oder beim Selbständigen Status werden ganz normal die Kosten, die Geschäftsausgaben in Anrechnung gebracht und dann werden daraufhin natürlich Steuern bezahlt. Die Steuersätze sind natürlich deutlich höher als die 10%, ja, was Herr Ruskov jetzt gesagt hat, laufen ja dann im Endeffekt die Steuersätze eher darauf hinaus, dass es letztlich 10% auf 75% sind. Also im Grunde genommen sind 7,5%, wenn man den Umsatz berechnet, um es einfach zu machen,
Magnus: Aber das betrifft, wie ich den Herrn Ruskov verstanden habe, im Grunde genommen ja Personen, Herr Ruskov, die dann in Bulgarien leben und dort vor Ort arbeiten und die Tätigkeit dort erbracht wird, korrekt?
Konstantin Ruskov: Äh, jein, also grundsätzlich müssen sie in Bulgarien gemeldet sein, allerdings, wir haben auch hier einige, also nicht wenige Mandanten, die sind digitale Nomaden. Sie lassen sich in Bulgarien nieder, ansonsten schwärmen sie durch die Welt rum, also wir haben Mandanten, die sind of in Thailand, oft auf Bali, oft in Spanien. Wichtig für sie ist nur, dass sie sich nirgendwo mehr als sechs Monate im Jahr niederlassen um dann nicht automatisch dort steuerpflichtig zu werden.
12:05 - Als digitaler Nomade nach Bulgarien – Anmeldung, Wohnung, Konto
Magnus: Um einen konkreten Zugang zu diesem Thema zu bekommen, erläutert uns Herr Ruskov die einzelnen Schritte, die ein digitaler Nomade durchlaufen muss, wenn er nach Bulgarien ziehen möchte und oder dort eine Gesellschaft gründen will.
Konstantin Ruskov: Naja, das erste, was wir unsern Mandanten fragen ist natürlich, welche Rechtsform wollen Sie denn haben. Erstens, wenn er natürlich alleine arbeitet, am Computer, keine Ausgaben hat oder nur sehr geringe Ausgaben hat und auch sein Haftungsrisiko gering ist, rate ich ihm nur, sich als Selbständigen anzumelden. Selbständigen Anmeldung ist etwas schwieriger, weil wie gesagt, die Verwaltung ist ein bisschen schleppend in Bulgarien, er muss sich erstmal eine Wohnung suchen, wo er diese anmietet.
Magnus: Also, wenn ich nicht in Bulgarien wohne, kann ich nicht in Bulgarien selbständig werden, also nur eine Kapitalgesellschaft.
Konstantin Ruskov: Naja, sie müssen nicht unbedingt die ganze Zeit in Bulgarien wohnen, aber Sie brauchen schon eine Wohnung.
Magnus: Aber das betrifft jetzt nur die Rechtsform des Selbständigen, was in Deutschland sozusagen der Einzelunternehmer wäre.
Konstantin Ruskov: Richtig. Und dann muss der Einzelunternehmer zum Migrationsbüro gehen, zur Migrationsbehörde, also zum Ausländeramt, wo er sich dann anmeldet.
Magnus: Also für EU Bürger kein Problem.
Konstantin Ruskov: Für EU Bürger grundsätzlich kein Problem, aber erstens, man muss einmal hingehen, z.B. in Sofia, um den Antrag zu stellen. Derzeit, vor allem wegen Corona, in Coronazeiten muss man mit bis zu drei Stunden Wartezeit rechnen, bis man an die Reihe kommt. Dann stellt man den Antrag, über diesen Antrag wird dann entschieden. Dann, die Person muss zwei, drei Tage später noch einmal hingehen, um den Bescheid dort abzuholen dann muss er sich dort ein Foto machen lassen, und danach, eine Woche später muss die Person noch einmal hingehen, zur Migrationsbehörde, um seinen Bulgarischen Personalausweis zu holen. Dieser Personalausweis ist wichtig, denn damit können sie sich dann im Register der Selbständigen anmelden, was eigentlich sehr einfach ist, und zweitens, er kann dann als Steuerinländer dann ein Konto eröffnen, bei einer Bank, was dann natürlich wesentlich einfacher ist, weil, weil als Steuerinländer muss man dann nicht alle Bankprüfungen machen. Bis vor zwei Jahren war es für jeden sehr einfach ein Konto zu eröffnen, dann hat Bulgarien die Maßnahmen zur Bereinigung von Geldwäsche eingeführt, und die sind sehr restriktiv geworden, das heißt jeder, der in Bulgarien wohnt hat Schwierigkeiten, ein Bankkonto zu eröffnen, egal ob er Selbständiger ist oder eine Kapitalgesellschaft eröffnen möchte.
Magnus: Okay, Sebastian, wie sind bei Dir die Erfahrungen, was Kontoeröffnungen anbelangt? Du hast ja auch mit vielen Menschen zu tun, die Unternehmen gründen, und da ist ein Bankkonto ja immer einer der ersten Punkte, die wichtig sind. Was erlebst Du da im Arbeitsalltag?
Sebastian: Ja, absolut, was Herr Ruskov sagt, das ist natürlich heutzutage überall ein Problem und es ist gut zu wissen, dass es auch in Bulgarien ein Problem ist. Kontoeröffnung ist generell schwierig und wird immer schwieriger in gewisser Weise und wie gesagt ohne Wohnsitz in dem Land ist es praktisch unmöglich. Man muss natürlich sagen, Herr Ruskov, man kann natürlich solche Onlinebanken verwenden wie Revolut oder TransferWise oder so, aber wer eine traditionelle Bank will, der hat, glaube ich, überall zu kämpfen. Bulgarien, Großbritannien, Irland, Malta, ist es sehr schwierig und wird immer schwieriger.
Konstantin Ruskov: Wir raten unseren Mandanten auch durchgehend TransferWise und so zu nutzen, aber zum Beispiel, es gibt hier die Besonderheit in Bulgarien, die Sozialabgaben und Versicherung, Steuerbeiträge, können nur durch ein bulgarisches Konto bezahlt werden, weil es gibt da gewisse Zahlungssysteme, und wenn jemand von einem ausländischen Konto überweist, dann wird die Zahlung nicht anerkannt. Früher oder später kommt niemand drumhin, muss er ein Konto in Bulgarien eröffnen.
15:56 - Korruption in Bulgarien
Magnus: Jetzt möchte ich noch ein wenig den Finger in die Wunde legen, Herr Ruskov, jetzt haben sie ja schon angesprochen, dass Bulgarien immer wieder einen zweifelhaften Ruf hat und dort auch die Rechtschafflichkeit in Frage gestellt wird, und Sie haben grob ja schon aufgezeigt, wie der Prozess dauert, wenn ich mich niederlassen möchte und eine Gesellschaft dort gründen möchte. Ist Korruption da nach wie vor ein Thema, also sowohl im negativen Sinne der Bewertung aber als auch im positiven Sinne dass ich sage, okay, wenn ein Geldschein unter dem entsprechenden Formular ist, geht es schneller, oder wie muss ich mir das vorstellen?
Konstantin Ruskov: Nein, definitiv nicht. Also wenn wir von Korruption reden, dann sehr oft inzwischen in Bulgarien nur auf dem höheren Bereich, bei höheren Investitionen, bei gewissen Voraussetzungen. Meine persönliche Erfahrung ist in der kleinen Verwaltung, wo jeder jeden Tag seine Erfahrungen sammelt, findet man eigentlich keine Korruption mehr. Das bedeutet, wenn man schlechte Erfahrungen mit der Verwaltung sammelt, dann nur, weil die Mitarbeiter entweder keinen Bock haben und schlecht geschult sind. Meine persönliche Erfahrung mit den Migrationsbehörden in Sofia, die arbeiten eigentlich ziemlich gut, die Mitarbeiter dort sind gut geschult, allerdings, wenn man dort hingeht, das Gebäude ist klein, die Ausstattung ist schlecht, das sind aber organisatorische Fehler, nicht Fehler der Personen, die dort arbeiten und auch mit einem Schein kann man die Sachen nicht verbessern oder schneller machen. Das einzige, was man sich einhandelt würde, wird ein Strafverfahren wegen Bestechung sein.
Magnus: Okay, das will man ja tunlichst vermeiden.
Konstantin Ruskov: Also so schlimm ist es nicht. Wie gesagt, der Ruf Bulgariens ist inzwischen manchmal schlechter als er ist.
17:43 - Digitalisierung in Bulgarien
Magnus: Mit diesem Vorurteil kann also aufgeräumt werden. Was den einen oder anderen auch noch überraschen könnte, ist die fortgeschrittene Digitalisierung in Bulgarien.
Konstantin Ruskov: Ich muss ehrlich gesagt sagen, in manchen Bereichen ist Bulgarien weiter als Deutschland. In jeder Hinsicht lässt sich mit den Behörden inzwischen online kommunizieren, wo man in Deutschland noch Post benutzt. Und auch, was erstaunlich ist, z.B. das Internet hier in Sofia und im gesamten Bulgarien ist immer noch viel, viel besser als in Deutschland. Erstaunlich, aber so ist es.
18:19 - Besteuerung in der Crypto und Trading Branche
Magnus: Dann lenkt Sebastian das Gespräch in Richtung der Crypto und Trading Branchen, die steuerlich gar nicht so einfach aufgestellt sind.
Sebastian: Zum Beispiel, wir haben viele Mandanten die im Grunde Trader sind, die mit dem eigenen Vermögen traden, jetzt nicht natürlich für Dritte eine Vermögensverwaltung machen, sondern Aktien haben, ETS haben, Währungen haben oder eben natürlich heutzutage auch Crypto haben und es ist ja jetzt, Sie haben es vielleicht mitbekommen jetzt in Deutschland vor allen Dingen hat sich der Derivate Bereich für die steuerliche Situation doch deutlich verschlechtert, weil jetzt Verluste nur noch bis zu € 10.000 angerechnet werden können, die sind ja oftmals, also die Buchverluste sind ja im Derivaten Bereich enorm, das ist ja man zahlt im Grunde Steuern auf Gewinne, die man nicht erwirtschaftet hat und deswegen sind jetzt natürlich viele, die keine Gesellschaft gründen wollen auf der Suche nach alternativen Wohnsitzen. Können Sie vielleicht mal über Ihre Personen sprechen, die im allgemeinen traden, vielleicht Crypto machen, wie die jetzt steuerlich gestellt sind in Bulgarien.
Konstantin Ruskov: Genau das gleiche, 10% Einkommensteuer, wobei die 10% auf den Gewinn, der erwirtschaftet wird, und Verluste werden voll anerkannt. Das bedeutet, wenn jemand im Jahr 50.000 € Verlust mit Aktienhandel gemacht hat und 100.000 € Gewinn, dann wird sein Gesamtgewinn von 50.000 € mit 10% besteuert. und der ist dann, wie gesagt, 10%. Die Person kann auch eine Kapitalgesellschaft gründen, diese Kapitalgesellschaft mit Kapital ausstatten, und dann über diese traden, und da werden die Gewinne, die Verluste sogar bis zu fünf Jahren rückwirkend anerkannt, vielleicht wenn die Person im letzten Jahr 100.000 € Verlust gemacht hat und in diesem Jahr 200.000 € Gewinn, dann kann er den Verlust vom letzten Jahr anerkennen lassen und die restlichen 100.000 € mit 10% Körperschaftsteuer in Bulgarien besteuern. Was danach als zusätzliche Steuer hinzukommt, diese 100.000 € verbleiben dann nach Steuern und werden dann 90.000 € und bleiben dann als Gewinn der Gesellschaft und wenn er an dieses Geld rankommen möchte, muss er sich eine Rente ausschütten lassen, die Quellensteuer beträgt in Bulgarien 5%, das bedeutet, die 90.000 € werden mit 4-5%, also mit 4.500 € besteuert, der Gesamtsteuersatz liegt dann bei 14,5%
Magnus: Und die Quellensteuer muss jeder bezahlen oder ist das durch ein Doppelbesteuerungsabkommen möglicherweise zu umgehen?
Konstantin Ruskov: Das hängt davon ab, wo die Person seinen Wohnsitz hat. Also wenn die Person in Bulgarien seinen Wohnsitz hat, dann wird hier in Bulgarien mit 5% besteuert. Wenn die Person in Deutschland seinen Wohnsitz hat, dann fällt die deutsche Kapitalertragsteuer an, die beträgt 25%. Wenn die Person in einem Land sitzt, wo es keine Kapitalertragsteuer gibt, also Null ist, na ja, dann muss man sich das Doppelbesteuerungsabkommen ansehen, aber in den meisten Fällen sind die 5% in Bulgarien schon pflichtig.
Magnus: Okay, hab verstanden. ….
Sebastian: Jetzt sicherlich, in Bulgarien, wird ja auch die Tochter Richtlinie gelten, d.h. bei ausländischer Holdinggesellschaft, zumindest in der EU wird es wahrscheinlich keine Quellensteuer geben, ja?
Konstantin Ruskov: Wirklich?
Sebastian: Bezieht sich das jetzt nur auf, oder gibt es da auch außerhalb der EU eine Tochterrichtlinie, gewisse Möglichkeiten, d.h. wenn die Muttergesellschaft in einem Nicht-EU-Land ist, gilt dann auch Quellensteuerfreiheit bei juristischen Personen oder wird die Quellensteuer dann fällig werden?
Konstantin Ruskov: Also in aller Regel wird die Quellensteuer fällig werden, allerdings man muss sich da in jedem Land das Quellensteuerbesteuerungsabkommen ansehen, ich kann Ihnen da keine pauschale Antwort geben.
Sebastian: Okay, also z.B. in Großbritannien ist das so, dass die gar keine Quellensteuer haben, d.h. auch wenn jetzt z.B. die Muttergesellschaft eine Offshore Gesellschaft ist oder sonst was, da ist kein Quellensteuerabzug.
22:04 - Aufbau einer Gesellschaft aus dem Ausland mit inländischem Geschäftsführer
Sebastian: Eine andere Frage war folgendes, jetzt bei der Gesellschaftsgründung ist ja doch wenigstens, also ich sage jetzt mal, wenn der Eigentümer oder der wirtschaftlich Berechtigte nicht in Bulgarien wohnt ist ja doch der Aufbau von Substanz sehr wichtig gegenüber den einheimischen Steuerbereichen, sag ich jetzt mal, also jetzt mal angenommen ich wohne in Großbritannien und ich möchte eine Gesellschaft gründen, muss ich ja meinem Steuerberater zeigen, dass ich die Gesellschaft in Großbritannien nicht leite im Tagesgeschäft, weil ansonsten wird ja eine Betriebsstätte ausgelöst. In Deutschland gilt es in ganz besonderer Weise, also das ist dort besonders streng geregelt. Wie kann man sich das vorstellen, wie schwierig ist es z.B. einen Geschäftsführer auf Teilzeitbasis anzustellen, der nicht nur einfach ein Nominee Director, Treuhand Director ist, sondern tatsächlich irgendwo, also zumindest auch nur auf Teilzeitbasis mitarbeitet. Ist das etwas, was Sie typischerweise mit einrichten können, oder vermitteln können, wie kann ich mir das vorstellen?
Konstantin Ruskov: Also wir vermitteln das nicht, weil meine Erfahrung zeigt mir aus der Vergangenheit, egal was man tut, man macht immer etwas falsch. Ich sage der Person immer die beste Lösung ist, Sie bauen was selber auf, Sie suchen sich jemanden und Sie vertrauen dieser Person. Man kann das natürlich regeln, z.B. wenn man die Gesellschaft gemeinsam vertritt, diese Person in Bulgarien wird mit gewissen Vollmachten ausgestattet und das heißt, es ist mit Kosten verbunden. Deshalb, ich rate allen unseren Mandanten, wenn es geht, ziehen Sie nach Bulgarien. Bulgarien wird keine Probleme machen, aber ihr Heimatland kann Probleme machen. Das bedeutet entweder sie bauen was auf oder sie ziehen selber um. Eine Zwischenmischung ist immer gefährlich.
Magnus: Um das Gehalt für einen solchen Geschäftsführer zu ermitteln sind folgende Kriterien besonders wichtig.
Konstantin Ruskov: Naja, erstens, Sie müssen zuerst einmal sehen, spricht diese Person Englisch oder Deutsch? Spricht sie eine Fremdsprache, steigen die Gehälter auf einmal. Und eine Person, der Sie einigermaßen vertrauen, die den Job macht, die einige Verpflichtungen auszufüllen hat, also, man muss mit mindestens € 1.000,- Netto-Gehalt rechnen, mit Lohnnebenkosten kommt das auf etwa € 1.500,- und natürlich von da ab sind nach oben keine Grenzen gesetzt.
24:17 - Unterkunft finden in Bulgarien
Sebastian: Und jetzt man angenommen, man würde jetzt überlegen, selbst nach Bulgarien umzuziehen, wo muss man so ungefähr für eine Mietswohnung, also eine anständige Wohnung, die so relativ hochwertig ist, sagen wir mal eine 2-3 Zimmer Wohnung, wo liegt das so monatlich?
Konstantin Ruskov: Ach, das ist auch hier sehr unterschiedlich, also wie gesagt in Sofia, nicht weit vom Zentrum, eine einigermaßen möblierte Wohnung mit 90 m2 können Sie schon für € 500,- mieten.
Sebastian: Also, gibt’s sehr günstig, ja
Konstantin Ruskov: Es gibt genügend Anbieter im Netz, natürlich, Sie müssen wissen, manche verlangen auch zu viel, weil sie auf ausländische Mieter spekulieren. Der Mandant, der muss einfach etwas mehr suchen, und wer sucht, der findet auch.
Magnus: Sind Sie da unterstützend auch tätig?
Konstantin Ruskov: Wir nicht, weil, ich muss ganz ehrlich sagen, wir betreuen als Kanzlei inzwischen mehr als 250 Mandanten, nur die Buchhaltung und es werden von Tag zu Tag immer mehr. Gleichzeitig die Anwaltskanzlei betreut auch hunderte Mandanten, ich versuche den Mandanten immer zu sagen, bitte wendet Euch an uns hier nicht für jeden Kleinkram. Ein Mandant wollte letzte Woche von uns, dass wir für ihn einen Impftermin organisieren, wir haben ihm gesagt hier ist die Webseite, die ist auch auf Englisch, und das hat er dann gemacht. Und speziell um solche Sachen muss der Mandant sich selber kümmern, aber es gibt genügend Webseiten, die sind auf Englisch, die Büros hier in Sofia und Umgebung anbieten, der Kunde kann dann auch mit Englisch ganz gut zurechtkommen.
25:57 - Sofia als Ort für Unternehmer
Magnus: Somit scheint Bulgarien für Expats gut geeignet zu sein, auch ohne die Sprache zu beherrschen. Oft zieht es Einwanderer in die Hauptstädte der neuen Heimat. Ist Sofia also auch der Ort, um sich als Unternehmer in Bulgarien zu platzieren?
Konstantin Ruskov: Also, so lange es sich nicht um Produktion handelt, das heißt, ist Sofia die Stadt, wo sich die meisten niederlassen. Allerdings haben wir auch inzwischen Mandanten, auch aus der IT Branche oder auch aus so Branchen wie das Bloggen, weil dort die IT Infrastruktur nicht schlecht ist und die Gehälter teilweise bis zu 30% günstiger sind als in Sofia. Und man findet dort auch deutschsprachige und auch englischsprachige Mitarbeiter.
Magnus: Das heißt, dort qualifiziertes Personal zu finden ist kein Problem.
Konstantin Ruskov: Nein, naja, kein Problem ist noch immer eine Frage des Preises, aber wie gesagt, im IT Bereich finden Sie hier viele Leute.
Magnus: Welche Infrastruktur brauche ich, wenn ich nur die Gesellschaft in Bulgarien gründen möchte, was muss ich dort vor Ort vorhalten?
Konstantin Ruskov: Naja, Sie brauchen eine Adresse. Natürlich müssen Sie sich Gedanken darüber machen, wollen Sie Personal anstellen, möchten Sie Büroräume haben, oder sind Sie alleine, und wenn Sie alleine sind, dann können Sie auch die Gesellschaft unter Ihrer Adresse, also wo Sie wohnen, dort ihren Sitz anmelden, das stellt in Bulgarien kein Problem dar.
27:17 - Leben und Lifestyle in Bulgarien
Magnus: Kommen wir jetzt zum Leben in Bulgarien und dem Lifestyle, der einen erwartet, wenn man seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlegt.
Magnus: Ich weiß noch, Sebastian, als wir in Leipzig zusammen waren, Mädler-Passage, Auerbachs Keller zusammen besucht haben, dort Essen waren, das war ja durchaus schön, und jetzt, wenn ich mir als Ur-Deutschen den Kontrast zu Bulgarien vorstelle, auf was muss ich da einstellen? Wie würden Sie denn den Lifestyle dort beschreiben?
Konstantin Ruskov: Also auf den ersten Blick, wenn man von West-Europa kommt, dann kann Sofia einem schon einen Schreck einjagen, die Stadt ist wirklich nicht schön. Viele Gebäude kommen noch aus kommunistischen Zeiten, …
Magnus: Schönheit liegt ja immer im Auge des Betrachters.
Konstantin Ruskov: Richtig, aber inzwischen ist Sofia doch viel näher an Europa rangekommen, der Ausländeranteil ist stark gewachsen, wir haben sehr viele Deutsche, die in Sofia wohnen, viele Freiberufler, viele aus dem IT Bereich. Sofia hat ein sehr gutes Nachtleben, die Küche ist inzwischen sehr, sehr gut.
Magnus: Organisieren sich die Expats untereinander, also dass es dort regelmäßig Treffen und Austausch gibt?
Konstantin Ruskov: Ja, natürlich, es gibt mehrere Gruppen wie z.B. Facebook, Deutscher Stammtisch, Stammtisch in der Kneipe, man versammelt oder man hat sich versammelt, da gibt es noch einige. Jetzt fallen mir die Namen nicht ein, aber es gibt einige Netzwerke, wo man einfach hingehen kann, die sind mit der Zeit wirklich gewachsen.
Magnus: Folgender Satz fasst das Expat Leben in Bulgarien also schön zusammen:
Konstantin Ruskov: Man ist hier nicht alleine, wenn man nicht alleine sein möchte.
Magnus: Von der Englischsprachigkeit her von der Bevölkerung, die verstehen einen, wenn ich Englisch spreche, oder wie muss ich da, auf was muss ich mich da einstellen?
Konstantin Ruskov: Also speziell in Sofia kommen Sie gut zurecht.
29:00 - Umzug mit der Familie – Kinderbetreuung und Schulen
Magnus: Okay, Können Sie mal noch was, wenn ich mit der Familie kommen möchte, dort, was die Kinderbetreuung anbelangt, schulisches Angebot, oder haben Sie den Fall quasi nie?
Konstantin Ruskov: Haben wir, in Sofia gibt es inzwischen mehrere Privatschulen mit deutschen Lehrern. Die Deutsche Botschaft hat eine eigenständige deutsche Schule, speziell für Deutsche, die mit ihren Kindern in Bulgarien leben. Es gibt auch einige Kindergärten und auch einige andere Privatschulen, das heißt ein schulisches Angebot ist hier vorhanden. Wie die Qualität ist, kann ich nicht sagen, ich habe da keine Erfahrung.
Magnus: Wie erlebst Du das, Sebastian, kommen bei Dir meisten Menschen in die Beratung, die mit Familie irgendwo hin möchten oder was ist bei Dir wichtig?
Sebastian: Absolut kommt das vor. Ich hatte jetzt, wie gesagt, erst letzte Woche mit jemandem gesprochen, der in Sofia tatsächlich lebt mit Familie, der hat da Kinder usw., also genau, ich denke, das ist in jedem Staat, in jedem Land muss man sich dazu Gedanken machen, Privatschulen oder staatliche Schulen. Wir hatten ja letztlich über die Schweiz gesprochen, da sind die privaten Schulen jetzt wahrscheinlich eher nicht notwendig, weil die staatlichen Schulen so gut sind. In anderen Ländern, jetzt gerade wenn es um deutsche Betreuung geht, ist natürlich dann möglicherweise eine deutsche Schule auch gefragt.
30:13 - Flugverbindungen von und nach Sofia
Magnus: Herr Ruskov, Flughäfen gibt es in Sofia wahrscheinlich, wohin fliegen die Flieger, wie ist die Verbindung nach Europa?
Konstantin Ruskov: Also Sofia hat einen Flughafen, der Flughafen ist eigentlich ziemlich nah vom Stadtzentrum, bis zum Flughafen kommt man mit der U-Bahn in 20 Minuten. Es fliegen von Sofia keine Interkontinentalflüge, d.h. man musss, wenn man von hier irgendwo weit wegfliegen möchte, dann immer umsteigen, ob Istanbul, Bukarest oder Frankfurt. Allerdings von Sofia nach Europa, jeden Tag, also ich glaube alleine bis nach Deutschland, sind mindestens 15 Verbindungen vorhanden. Was Reiseangebote angeht, ich persönlich mag Sofia, man kann hier für das Wochenende nicht weit einen Tag irgendwo rausfahren, es hat Botanik, schöne Flecken, viel Gebirge, die Angebote sind eigentlich ziemlich gut. Jeder, der was sucht, der wird auch finden. Und für den Sommer, das Schwarze Meer ist in drei Stunden mit der Autobahn zu erreichen. Ich persönlich mag mehr Griechenland, und von Sofia bis nach Griechenland, bis nach Thessaloniki sind es 3 bis 4 Stunden mit dem Auto.
Magnus: Der Strand ist also nicht all zu weit.
Konstantin Ruskov: Gar nichts ist nicht weit. Ich persönlich mag es sehr, das Leben in normalen Zeiten hier.
31:33 - Bulgarischer Wein
Magnus: Und wie ist der Bulgarische Wein? Dort wird doch Wein angebaut, oder?
Konstantin Ruskov: Ich mag lieber Neuseeländisch.
Sebastian: (lacht)
Konstantin Ruskov: Beim Bulgarischen tut mir der Kopf arg weh.
31:47 - Make a Long Story Short – Kurze Fragen, Kurze Antworten
Magnus: Okay, Herr Ruskov, wir sind langsam am Ende angelangt, wir kommen zu meiner Lieblingskategorie „Make a Long Story Short“, wo ich Ihnen kurze Fragen stelle und Sie möglichst kurz darauf antworten.
Magnus: Die erste Frage: Die drei schönsten Dinge an Bulgarien?
Konstantin Ruskov: Die Natur, die niedrigen Steuern und, hm, …
Magnus: Jetzt können ja nur die Frauen kommen,
Sebastian: Ja, der Wein, der Wein ist ja nicht gut, das wissen wir schon.
Konstantin Ruskov: Das Essen hier ist nicht schlecht.
Magnus: Das ist gleich schon meine nächste Frage, perfekte Überleitung, was muss ich in Bulgarien auf jeden Fall einmal gegessen haben?
Konstantin Ruskov: Schopska Salata – Salat.
Magnus: Worauf sind die Bulgaren besonders stolz?
Konstantin Ruskov: Auf ihre Geschichte. Leider. Sie gucken zu stark auf die Vergangenheit anstatt in die Zukunft zu blicken.
Magnus: Interessant. Spricht man in Bulgarien Englisch?
Konstantin Ruskov: Speziell in Sofia, ja. Oft.
Magnus: Diesen Fehler sollte ich, wenn ich nach Bulgarien komme, auf jeden Fall vermeiden.
Konstantin Ruskov: Wenn man landet, nicht in das falsche Taxi einsteigen.
Magnus: Sonst wird es teuer.
Konstantin Ruskov: Viel teurer als es eigentlich notwendig ist: vom Flughafen bis zum Stadtzentrum fünf oder sechs Euro.
Magnus: Sind ausländische Unternehmen in Bulgarien akzeptiert?
Konstantin Ruskov: Oh ja, definitiv, denn die gelten als die besseren Arbeitgeber, die zahlen pünktlich Steuern und die bescheißen ihre Arbeitnehmer nicht.
Magnus: Wie sind die wirtschaftlichen Aussichten in Bulgarien für die Zukunft?
Konstantin Ruskov: Makroökonomisch kann ich nicht sagen, mikroökonomisch, wer gebildet ist, wer Fremdsprachen spricht, der kann in Bulgarien was Anständiges aufbauen.
Magnus: Gibt es in Bulgarien noch Korruption?
Konstantin Ruskov: Gibt es, bedauerlicherweise.
Magnus: Das wär’s von meiner Seite, Herr Ruskov, jetzt können Sie vielleicht noch Ihre Kontaktdaten kurz durchgeben, wenn jemand nach Bulgarien ziehen möchte, sei es persönlich oder mit dem Unternehmen, wie kann man Sie erreichen?
33:34 - Kontaktdaten Konstantin Ruskov und Verabschiedung
Konstantin Ruskov: Wir sind eigentlich im Internet sehr gut präsent, wir haben eine sehr übersichtliche Webseite, man muss nur einfach Ruskov Bulgarien, Rechtsanwalt Bulgarien, Steuerberater Bulgarien, Steuerrecht Bulgarien, einfach googeln, und wir kommen da eigentlich ganz hoch. Man findet uns leicht, speziell im Netz.
Sebastian: Wunderbar, Herr Ruskov, es hat mich sehr gefreut, und wenn wir Mandanten haben in Zukunft, die an Bulgarien interessiert sind, weiß ich, wohin ich sie schicken muss.
Konstantin Ruskov: Es freut mich sehr, ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und bleiben Sie gesund.
34:06 - Digitale Nomaden und Steuerpflicht
Magnus: Nach dem Gespräch habe ich mich noch einmal mit Sebastian zusammengesetzt, um die wichtigsten Aspekte, die Herr Ruskov erwähnt hat, zusammenzufassen und in einen Kontext einzuordnen.
Magnus: Naja, Bulgarien ist ja doch für einige Unternehmer interessant, ich glaube ein paar Sachen muss man beachten, wenn man jetzt mit dem Gedanken spielt, entweder selbst nach Bulgarien zu ziehen oder dort ein Unternehmen zu gründen. Was sind für Dich die Hauptsachen, die man nochmal ansprechen sollte?
Sebastian: Also das wichtigste, was ich nun doch nun wirklich sehr interessant fand ist das ganze Thema digitale Nomaden. Wir haben ja bei digitalen Nomaden die Situation, dass jemand, der jetzt tatsächlich nirgendwo wohnt auch eigentlich nirgendwo steuerpflichtig ist, außer er ist jetzt irgendwie Amerikaner. Es gibt ja im Deutschen das schöne alte Lied, was ja heute nicht mehr ganz politisch korrekt ist, vom Zigeunerleben, und schon da kommt ja drin vor, „wir müssen dem Kaiser kein Zins geben“: Da steht es ja schon drin geschrieben, und so ist es nun tatsächlich auch, was natürlich bedingt, dass man keinen Wohnsitz hat, dass man sich nicht aufhält, zu lange, usw.
Magnus: Auch wenn es dem Zigeunern passt, muss er nicht unbedingt in Bulgarien leben.
Sebastian: Genau, allerdings ist bei dem digitalen Nomadenstatus das Problem, dass es natürlich seitens Behörden, seitens von Banken ja nicht tatsächlich anerkannt wird. Wenn Du keinen Wohnsitz hast, keine Steuernummer nachweisen kannst, dann kannst Du natürlich heutzutage bei keiner Bank mehr ein Konto bekommen.
Magnus: Ja, Bankkonto ist so das zentrale Thema, um das es sich immer wieder dreht, in allen unseren Folgen.
Sebastian: Ja, natürlich, und das Thema Steuerbehörden. Möglicherweise muss man den gegenüber den deutschen Behörden nachweisen, dass man irgendwo Einkommensteuermäßig registriert ist, wenn man von Deutschland weggeht. Wenn man einfach so geht, wenn man sagt, ich bin Nomade, ich zieh dann einfach so um, dann kann es einem auch passieren, dass man mehr oder weniger als jemand interpretiert wird, der eine Weltreise macht. Wer eine Weltreise macht, der bleibt ja nach wie vor in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Wenn ich jetzt sage, ich gehe jetzt für ein Jahr auf Kreuzfahrt, dann bin ich ja deswegen nicht mehr in Deutschland nicht steuerpflichtig. Und deswegen ist es eben wichtig, dass man entsprechend nachweisen kann, erstens natürlich eine richtige Wohnung, nicht irgendwie nur so einen Briefkasten, eine steuerliche Registrierung, möglicherweise steuerliche Handelskammerbescheinigung, und das gleiche natürlich auch gegenüber Banken zeigen kann, Banken und Behörden. Ähm, deswegen haben die meisten digitalen Nomaden heute keine andere Alternative als zu sagen, sie suchen sich irgendwo ein Wohnsitzland aus, in dem sie sich dann registrieren, wo sie ihre einzige Wohnung weltweit haben, äh, wo sie dann ganz normal steuerlich erfasst sind, möglicherweise auch Steuern bezahlen auf ein kleines Gehalt oder auch auf ein geringes Einkommen und entsprechend diese Nachweise dann dafür vorweisen können gegenüber Banken und Behörden.
Magnus: So, das könnte Bulgarien sein.
Sebastian: Genau, es könnte Bulgarien natürlich wunderbar sein, wenn man es sich überlegt, Malta könnte es natürlich auch sein, aber wenn ich mir jetzt überlege, für digitale Nomaden liegt das Einkommen so, sagen wir mal, bei 100.000 €, ja, 100.000 € -150.000 €, wenn ich mich da natürlich als Selbständiger melde und keine Firma, keine Kapitalgesellschaft gründen muss, in Malta brauche ich ja zig Sachen. In Malta kann ich drei Gesellschaften gründen: Operative Gesellschaft, Holding Gesellschaft, Malta Ausländische Holding Gesellschaft, habe ich drei, drei Gesellschaften. Auch wenn 100.000 € -150.000 € natürlich ein sehr attraktives Einkommen sind, wenn ich dann erstmal hohe Ausgaben, Firmenkosten habe, dann kann ich auch gleich hier die Steuern bezahlen.
Magnus: Flat-Tax klingt ja sehr interessant, aber wie ist das mit den Ausgaben, kann ich die voll umfänglich geltend machen?
Sebastian: Also Herr Ruskov hatte ja gesagt, dass in Bulgarien 25% bei Freelancern pauschal als Unkosten geltend gemacht werden können, also 25% des Umsatzes und das ist natürlich sehr attraktiv, auch wenn dann detailliert keine weiteren Unkosten mehr geltend gemacht werden können also Betriebsausgaben, denn das bedeutet konkret, dass bei 100.000 € Umsatz ich letztlich 10% Steuern bezahlen muss auf 75.000 €.
Magnus: Genau.
Sebastian: Also das heißt, ich habe dann eine Gesamtbesteuerung von 7,5%
Magnus: Und für alle weiteren Einkünfte war es teilweise glaube ich dann noch höher, ich glaube 40%.
Sebastian: Genau, und wenn ich irgendwelche Einkünfte habe, also jetzt z.B. Tantiemen, Royalties, usw., dann sind es sogar 40%, die ich geltend machen kann, das heißt dann da konkret wäre dann konkret der Steuerabzug 6%. Und das sind natürlich sehr interessante Zahlen, aber das ganze hat einen anderen Vorteil, denn der London Status, den es ja in Großbritannien, Malta und Zypern gibt und auch übrigens in Spanien mit dem Beckhams-Law-Status, der nimmt ja letztlich Einkommen ganz aus von der Steuer, da heißt Exempt Stativ. Das bedeutet also, dass die Einkünfte komplett von der Steuer befreit sind. Dies führt aber zunehmend zu Problemen, ja, denn wenn ich nicht nachweisen kann, dass ich zumindest eine kleine Steuer bezahlt habe auf Einkünfte, könnte es mir passieren, dass dann bestimmte Fall-Weg Klausen von Doppelbesteuerungsabkommen geltend gemacht werden könnten, die dann dazu führen, dass im Ursprungsland Steuern zu bezahlen sind. Ich gebe Dir ein Beispiel …
Magnus: Genau, ich wollte gerade sagen, jetzt wird es schon wieder sehr technisch. Bei Steuern müssen schon sehr genau sein, aber ausgehend von unserem Digitalen Nomaden mit € 100.000 Einkommen.
Sebastian: Ich gebe Dir ein Beispiel, ich bin ein digitaler Nomade, ich habe einen Wohnsitz zum Beispiel in Malta, habe aber in Malta keine Gesellschaft, sondern bin dort als Freelancer angemeldet, stelle jetzt eine Rechnung nach Deutschland und stelle in Deutschland in Rechnung, was weiß ich was, € 15.000 für Programmierung und Softwareentwicklung und mal angenommen ich bin digitaler Nomade und ich sitze in Peru und haben diesen Code dort geschrieben, okay, innerhalb von 10 Tagen habe ich den geschrieben, in Peru, und ich schreibe jetzt eine Rechnung als Maltesischer Freelancer mit meiner maltesischen Adressen und Steuernummer usw. Aus maltesischer Sicht alles in Ordnung, denn ich habe ja diese Leistung nicht in Malta tatsächlich erbracht, sondern ich habe sie außerhalb von Malta erbracht, deshalb sind sie in Malta von der Steuer komplett ausgenommen, in Malta steuerfrei, ich stelle aber eine Rechnung an den deutschen Kunden und der deutsche Kunde bezahlt die auch. Streng genommen, und wenn jetzt irgendwann mal jemand danach fragt, dann sind diese Einkünfte in Deutschland zu versteuern, denn ich bezahle ja darauf in Malta keine Steuern auf dieses Honorar, das ich für die Softwareentwicklung erhalten habe.
Magnus: Das heißt, auch wenn ich mich in Deutschland quasi abgemeldet habe, ich sage, ich lebe jetzt in Malta, habe dort wenigstens eine Wohnung, kann es sein, dass das deutsche Finanzamt kommt und sagt: „Stop, hierfür musst Du jetzt Steuern in Deutschland bezahlen.“
Sebastian: Genau, weil ich keine in Malta bezahlt habe, weil die Maltesen, das maltesische Finanzamt sagt, Du brauchst keine Steuern bezahlen, ich will Deine Steuern nicht, Du hast die Dienstleistung nicht in Malta erbracht, sondern außerhalb von Malta, es gibt keinen Grund, warum Malta hier Steuern erhebt. Anders natürlich bei einer Maltesischen Gesellschaft, ganz klar, denn bei einer maltesischen Gesellschaft wird hier Steuer in jedem Fall in Malta fällig, auch wenn es nur 5% sind, wir reden jetzt hier konkret von Freelancern. In Bulgarien habe ich das Problem nicht, denn in Bulgarien werden ja die Einkünfte versteuert, wenn auch nur sehr gering, nämlich mit den 7,5%, damit erfülle ich also die Anforderungen des Doppelversteuerungsabkommens und solche Regressforderungen, wie die, wie wir geradeben besprochen haben, seitens des Finanzamtes, würden da nie zum Tragen kommen.
Magnus: Das heißt, wenn mir Sofia gefällt, und wie Herr Ruskov gesagt hat, die Anmeldung vielleicht ein wenig länger dauert als Selbständiger, ist das durchaus eine gute Variante.
Sebastian: Genau, also für digitale Nomaden finde ich das eine sehr interessante Variante. Natürlich, wie gesagt, in Malta ist dann die Kapitalgesellschaft natürlich sehr viel interessanter, Körperschaftsteuer nur 5%. Das heißt, wenn ich dann in einen Umsatz- und Gewinnbereich komme, wo die dann Differenz zwischen Bulgarien, sagen wir mal die 2,5% und Malta 5% so groß sind, dass mich die Firmengründung letztlich weniger kostet, oder aber ich auf Grund von Haftungsüberlegungen einen Haftungsmantel benötige, also eine Kapitalgesellschaft benötige, und nicht als Selbständiger arbeiten möchte, das ist ja nochmal ein anderer Grund, manchmal will ich ja nicht als Selbständiger arbeiten, denn dann bin ich ja voll haftbar, dann ist natürlich Malta der interessantere Standort. Aber wie gesagt, so jetzt für Selbständige klingt es doch sehr interessant mit Bulgarien. Das finde ich das entscheidende, wie gesagt bei der Kapitalgesellschaft in Bulgarien, okay, 10%, da haben wir aber dann aber relativ strenge Quellensteuerbestimmungen, d.h. da werden nochmal 5% fällig. Natürlich, wenn dort eine Kapitalgesellschaft als Holdinggesellschaft der bulgarischen Gesellschaft dahinter geschaltet ist, dann kommen die nicht zum Tragen, aber ansonsten sind 10% es ist nicht wahnsinnig, viel, das ist klar, aber muss man sehen, ob sich das dann lohnt, oder ob man das gleiche in Malta macht oder dann lieber nach Irland geht, das dieselbe Situation, nach außen hin optisch zumindest besser, das sind 12,5%, ist dann zu überlegen.
Magnus: Das heißt, wir können es irgendwie mit der Kernfrage zusammenfassen, was für eine Körperschaft ich möchte oder was für eine Rechtsform ich sein möchte, möchte ich eben eine juristische Gesellschaft vorne ran gehängt oder möchte ich selbständig oder Freiberufler sein.
Sebastian: Genau, also grundsätzlich finde ich, ist das gerade für Freiberufler und Selbständige sehr interessant. Und vor allen Dingen eben auch von der Tatsache, dann ist das auch versteuert, dann kann keiner mehr sagen, das ist ein unversteuertes Einkommen, ist versteuer, Steuer ist deklariert und ist letztlich dann unangreifbar im Rahmen von Doppelversteuerungsabkommen, usw.
Magnus: Dann konnte Herr Ruskov uns hier eine schöne Möglichkeit aufzeigen.
44:33 - Verabschiedung und Abspann
Magnus: Das war Perspektive Ausland – Der Podcast für alle Unternehmer, die es ins Ausland zieht. Bis zur nächsten Folge.
Ressourcen:
Sebastian Sauerborn: LinkedIn
Konstantin Ruskov:
Kanzlei Ruskov und Kollegen
München / Leipzig (Deutschland) und Sofia (Bulgarien)
Leben in der Schweiz
In Folge 1 unseres Podcasts Perspektive Ausland spricht Rechtsanwalt Benno Raeber über seine Erfahrungen in New York, auf den Bahamas und seine Rückkehr in die Schweiz. Erfahren Sie mehr über das Leben und Arbeiten im Ausland und seine Perspektiven in der Schweiz.
Zu Gast: Rechtsanwalt Benno Raeber
Die Folge ist auch auf allen gängigen Podcast Plattformen zu finden:
In Folge 1 unseres Podcasts Perspektive Ausland sprechen wir mit dem Rechtsanwalt Benno Raeber. Er hat in New York, auf den Bahamas und an vielen anderen Orten dieser Welt gelebt und gearbeitet. Mittlerweile ist er in die Schweiz zurückgekehrt.
In unserer ersten Folgen spricht er mit uns über das Leben in der Schweiz. Benno plaudert aus dem Nähkästchen und verrät, welche Besonderheiten die Schweiz mit sich bringt.
Das Thema Steuern kommt in dieser Folge nicht zu kurz. Doch Benno verrät, dass Steuern nicht die alleinige Motivation für einen Umzug in die Schweiz darstellen sollte. Er räumt auf mit Vorurteilen zu kantonalen unterschieden und berichtet aus seinem Alltag.
Timestamps
00:58 Benno stellt seinen Werdegang vor
02:54 Gründe für den Rückgang in die Schweiz
05:20 Die Schweiz als Illusion
07:30 Über die Motivation ins Ausland zu gehen
8:25 Starke Unterschiede bei den Steuersätzen
9:30 Über die Attraktivität der Schweiz
12:40 Über die Vorteile der Schweiz
13:19 Informationen zur Exit Tax
17:31 Voraussetzungen für einen Aufenthalt in der Schweiz
19:52 Über das Problem mit der Arbeitsbewilligung für Drittstaatler
23:01 Der Lichtblick der Bürokratie in der Schweiz
24:20 Tips zur Integration in die Schweiz
25:52 Das Bildungssystem der Schweiz
27:18 Der Krankenschutz in der Schweiz
28:24 Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz
31:12 Make a long story short - Fragen an Benno
Ressourcen:
Sebastian Sauerborn: LinkedIn
Benno Raeber:
Kanzlei Raeber Law
Einsiedeln (Schweiz)
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Firma in IRLAND gründen –Steuern niedrig, Hürden hoch
Italien - Wein, Sonne, wenig Steuern
Der Ruhestand in der Schweiz: Ein Paradies für deutsche Rentner
Wohnung mieten in der Schweiz als Deutscher
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Deutschen Reisepass und Personalausweis im Ausland erneuern: So geht's einfach!
Mitschrift zur Folge 1 von Perspektive Ausland: Leben in der Schweiz
- Sebastian Sauerborn (Gastgeber)
- Benno Raeber (Gast)
Perpektive Ausland - Der Potcast aus London für alle Unternehmer, die es ins Ausland zieht, ermöglicht durch freundliche Unterstützung der Steuerkanzlei St Matthew aus London.
Hallo und herzlich Willkommen bei Perspektive Ausland, der Potcast für alle Unternehmer, die es ins Ausland zieht. Heute zu Gast bei uns der Anwalt Benno Raeber, der in der Schweiz lebt und tätig ist. Benno fasst seinen Werdegang einmal kurz für uns zusammen und stellt sich uns vor, bevor wir dann in dieser Folge darauf eingehen, ob ein Wegzug in die Schweiz heute noch Sinn macht.
00:58 Benno stellt seinen Werdegang vor
Benno: Ja, schönen guten Tag. Ich bin Schweizer Anwalt, bin in der Schweiz geboren und habe dann meine Jugend in Zürich verbracht. Ich habe in Sankt Gallen studiert, das Patent in Zürich gemacht und dann bin ich dann ziemlich schnell ins Ausland und habe dann in New York gearbeitet, geheiratet und wir haben 2 Kinder, die sind mittlerweile 21 und 19. Nach diversen Auslandsstationen Bahamas, Los Angeles, London, bin ich eigentlich wieder in der Schweiz seit geraumer Zeit und bin eigentlich als freiberuflicher Anwalt in der Schweiz, arbeite aber generell auch mit Privatpersonen weltweit, also vor allem auch grenzüberschreitende Problematiken.
Sebastian: Ja, also ich muss ja sagen, ich habe den Benno kennengelernt 2011 auf den Bahamas im Außenclub, wo James Bond gedreht wurde, da wo Daniel Craig mit einer Badehose aus dem Wasser kommt, die bekannte blaue Badehose, die die meisten von uns nicht anprobieren wollen. Da saßen wir, der Benno und ich, und haben mit Mandanten, die in die Bahamas umgezogen sind, Verträge verhandelt. Das war eine amüsante Zeit, die gute alte Zeit wie man so schön sagt. Heute reden wir dann über das Thema Schweiz, der Benno ist wieder zurück in der Schweiz. Die Schweiz ist ja dann doch für viele Deutsche immer noch ein riesen Thema für viele deutsche Unternehmer. Früher war ja eh die Schweiz das Mekka, jeder wollte in die Schweiz. Wir kannten das ja von Prominenten wie Michael Schuhmacher, in die Schweiz umgezogen, Pauschal-Versteuerung und so weiter und so fort.
Magnus: Benno, wie kam es zu Stande, ich meine du hast ja gerade erzählt, das Leben auf den Bahamas am Meer ist wunderschön und ich stelle es mir wunderschön vor am Strand zu liegen. Jetzt hast du ja schon gesagt, du warst dort aktiv, was hat dich zurück in die Schweiz gezogen? Passend eben auch zum Thema, ob die Schweiz überhaupt für Unternehmer noch interessant ist. Vielleicht können wir bei dir anfangen, bei deinem Werdegang. Was hat dich zurück in die Schweiz gebracht?
02:54 Gründe für den Rückgang in die Schweiz
Benno: Ich glaube, ich habe mein Geschäftsmodell so gebaut, dass ich nicht spezifisch abhängig bin von einem bestimmten Land wie die Schweiz, ja natürlich bin ich als Anwalt zugelassen hier oder dort oder da nicht, das ist klar. Aber grundsätzlich hat sich ja das alles ganz anders entwickelt, also heute mit dem Home Office, ob du jetzt 5 Km vom Büro weg arbeitest oder 500 Km, spielt nicht mehr so eine Rolle. Ich glaube auch, die Möglichkeit der Leute, Geschäfte zu betreiben, Geschäfte aufzubauen, die unabhängig sind von einem bestimmten Ort, hat massiv zugenommen. Und am Schluss wohnst du da wo du dich am wohlsten fühlst. Ich glaube die Schweiz ist immer noch ein Ort, wo man relativ konservativ denkt und Leute können sich eben ein Zuhause schaffen in der Schweiz. Also wenn Leute wirklich eine anständige Lebensqualität wollen, Sicherheit und Gesundheitswesen, jetzt besonders auch mit COVID, ist das natürlich ein großes Thema. Anständige Schulen für die Kinder, vernünftige Besteuerung, Freizügigkeit mit rein und raus und Anstellen von Leuten aus dem ganzen EU-Raum, da hat natürlich die Schweiz schon viel zu bieten verglichen mit anderen Ländern.
Sebastian: Also ich muss ja die Erfahrung, die du jetzt gerade beschrieben hast, da kenne ich also eine Reihe von Mandanten, die haben ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Wir haben immer wieder Mandaten, die nach Dubai oder so umziehen oder in ähnliche Länder und ich muss sagen, ich kenne jetzt noch niemanden, der dort alt geworden ist. Nach ein paar Jahren zieht es die Leute immer wieder zurück. Ich mein es ist zwar wunderschön, wenn man keine Steuern bezahlen muss, klar alles ist opulent, die Wohnungen sind opulent, der Lebensstandard ist sehr hoch, aber am Ende ist das Leben auch mehr als nur diese Dinge. Es ist ein bisschen oberflächlich zu sagen, ich meine ich kann zustimmen, dass die Schweiz, also ich meine ich habe selber in der Schweiz gewohnt ein paar Jahre vor vielen Jahren, dass die Schweiz auf jeden Fall als Standort in Europa, was die Lebensqualität betrifft und was die Konnektivität auch in andere Länder betrifft, einen hervorgehobenen Status hat.
05:20 Die Schweiz als Illusion
Benno: Also ich glaube die Schweiz ist ein bisschen eine Illusion und es ist ja immer eine Illusion. Wenn du auf eine Insel gehst, dann hast du das Gefühl du bist auf einer Insel, aber nein, du hast dann ja auch die Realität und du musst dich ja lokal anpassen. Es gibt Gebräuche, es gibt Seilschaften, es gibt kulturelle Barrieren, die du übergrenzen musst. Deine Partnerin, Frau, deine Kinder müssen ja auch happy sein und so weiter und so fort. Und ich glaube, was für die Bahamas und die Barbados dieser Welt gilt, gilt auch für die Schweiz. Also, ich gebe euch ein Beispiel, also vor ein paar Jahren habe ich für einen Vermögensberater gearbeitet und die haben einen französischen Staatsangehörigen von Paris mit seiner Familie ins Wallis verschoben und das geht ja gut, wenn der Herr des Unternehmens immer im Flieger sitzt. Aber wenn zum Schluss seine Frau und seine Kinder aus Paris ins Wallis müssen, und das ist keine Aussage über die Qualität, das ist nur ein anderes Leben, das kann ja nicht gut gehen. Und ich glaube auch hier in der Schweiz haben wir natürlich die Diskussion. Ich sag dir zum Beispiel in den letzten Monaten ziehen vermehrt Chinesen in die Schweiz. Ja gut, wo willst du dann wohnen als Chinese? Das muss in der Nähe einer größeren Stadt sein, eines Flughafens natürlich, wo sie zumindest auch eine minimale Chance haben allenfalls auch mit ihren Landsmännern und Landsfrauen zu interagieren. Die kannst du nicht irgendwie nach Obwalden schicken. Das geht nicht. Da werden sie prima als Ausländer angenommen oder eben vielleicht nicht angenommen. Auch in der Schweiz haben wir das Thema der Barrieren. Und ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wenn man sich die Schweiz anschaut, dass man sich gut überlegt, wo man dann hin will.
Magnus: Die Schweiz bietet also ganz unterschiedliche Regionen mit unterschiedlichen Traditionen, Essen und Kultur. Was mich deshalb besonders an Bennos Sicht über die Motivation ins Ausland zu ziehen fasziniert, war folgendes Argument.
07:30 Über die Motivation ins Ausland zu gehen
Benno: Die Leute machen ja oftmals den Fehler, dass sie Steuern planen und dann das Leben herum bauen. Ich glaube das muss umgekehrt sein. Also du planst das Leben und planst um die Steuern herum. Und in der Schweiz geht das ja gut, also man kann ja eben zum Beispiel als Unternehmer in Zürich oder in der Nähe von Zürich wohnen und den Arbeitsplatz im Pfäffikon aufstellen. Ich habe ein paar Zahlen aufgestellt, um das zu verdeutlichen. Also zwischen Zürich und Pfäffikon sind 25 Minuten mit dem Auto, aber bezahlt wird das Unternehmen nur um 50% weniger Steuern. Der entscheidet dann eben, ja, ich wohne mit der Familie in Zürich und das Geschäft ist in Pfäffikon und alle, fast alle, sind dann glücklich.
8:25 Starke Unterschiede bei den Steuersätzen
Magnus: Und gibt es heute noch die starken Unterschiede zwischen den Steuersätzen in den Kantonen?
Benno: Vielleicht muss ich dazusagen, dass deutsche Steuersystem sieht das, weil wir haben eine Besteuerung auf der Kommune, auf dem Dorf, auf der Gemeinde, beim Kanton und dann beim Bund haben. Der Bund ist einheitlich 8,5%. Die günstigsten Kantone sind rund 2% obendrauf und die teuersten sind immer noch bis 24% oben drauf. Und dann kommt noch die Gemeinde und das kann dann, vor allem die Stadt Zürich zum Beispiel hat sehr hohe Steuern für ihre Personen oben rauf, also das macht dann schon einen großen Unterschied aus.
Magnus: Hierbei ist es aber wichtig, dass man sich immer entsprechend beraten lässt, um die für sich selbst bestmögliche Lösung zu finden. Das kann von Branche zu Branche unterschiedlich sein. Ich habe gelesen, dass die Schweiz beim Global Innovation Index auf Platz 1 steht, sprich nach wie vor zieht es sehr viele Unternehmensgründer in die Schweiz. Für welche Branche ist es aber besonders attraktiv in die Schweiz zu kommen?
9:30 Über die Attraktivität der Schweiz
Sebastian: Spontan fällt mir ein, sicherlich sind ziemlich viele IT Startups in der Schweiz. Ich selbst habe ja auch in der Gemeinde Freienbach gewohnt, da gehört ja Pfäffikon dazu, gerade bei dir um die Ecke wo du jetzt bist. Da war damals, ich weiß nicht, ob es heute immer noch so ist, sehr viel die alternative Investment Branche in den Gegenden tätig. Wir wissen ja zum Beispiel auch, dass so Mining, da gibt es relativ große Unternehmen in der Schweiz.
Magnus: Also Thema Krypto Währungen.
Benno: Ja, also Geschäftstätigkeiten, also wie du gesagt hast. Der Kanton Zug hat sich ja da ein bisschen die Marke gegeben, das Krypto-Weili der Schweiz. Da sind natürlich regulatorisch und auch steuerlich Initiativen erhoben worden, um eben neue Unternehmen im Finanzbereich in der Fil-Trek anzusiedeln und um dann eben eine Clusterwirkung zu haben, eben auch in Bezug auf die Infrastruktur und die Mitarbeiter. Das Mining per se ist ein bisschen schwierig in der Schweiz aufgrund der Strompreise, nicht unbedingt attraktiv. Da gab ein diverse Benches, die eben nicht effizient waren unter dem Strich. Ich denke, die Schweiz ist sehr interessant für Leute, die wohlhabend sind und eigentlich ihre Vermögenswerte professionell selber managen wollen. Eben eine aktive Holding-Struktur, eine aktive Holding-Management-Struktur und das kann dann durchaus sein, dass man eben eine operative Tochtergesellschaft im Ausland hat, auch in Deutschland, Italien und so weiter. Erstens haben wir da natürlich im Großraum Europa, die Schweiz, wir haben eigentlich ausländische Tochtergesellschaften von Schweizer Holding Gesellschaften, ähnlich wie in der EU die Mutter-Tochter-Regelung. Also ja, vergleichbar. Wir haben natürlich eine große Anzahl Besteuerungsabkommen, wo eben dann auch die Dividendenzahlungen oder die Gewinnholdings entsprechend reduziert sind. Ich denke, das ist ein interessantes Geschäft und was ich feststelle jetzt auch ist eben die Kombination, also wenn wir europäische Staatsbürger haben, die haben es ja auch einfach in die Schweiz zu ziehen, aber es ist eben auch interessant für Nicht- oder eben auch Dritt-Staaten sagen wir, also nicht-europäische Nationalitäten in die Schweiz zu kommen und eben ein operatives Geschäft zu gewähren.
Magnus: Also du würdest sagen und das betrifft sicherlich ganz viele ganz viele Mandanten von uns. Du würdest sagen, dass die Schweiz als Standort interessant ist für Personen, die bestehende Unternehmen haben eben nicht in der Schweiz, irgendwo im Ausland möglicherweise womöglich Beteiligungen haben und dann in die Schweiz umziehen und eben dort eine persönliche Holding-Gesellschaft etablieren, um die Beteiligungen zu verwalten, neu zu kaufen, zu veräußern und so weiter und so fort.
12:40 Über die Vorteile der Schweiz
Benno: Genau, eine der großen Vorteile ist, dass wir eben unter der Schweizer Gesetzgebung stehen. Wenn der Aktionär nicht sein eigenes Geld verwaltet, dann braucht er keine Vermögensverwaltung Lizenz. Er ist eigentlich nicht mal für die Geldwäscherei Gesetzgebung aufsichtspflichtig, so lange er eben sein eigenes Geld managt. Das ist eigentlich glaube ich ein großer Vorteil hier in der Schweiz.
Magnus: Dann habe ich die konkreten Schritte erfragt, auf die man sich als Deutscher einstellen muss, wenn man sich entschieden hat, das Unternehmen und das Leben in die Schweiz zu verlagern.
13:19 Informationen zur Exit Tax
Sebastian: Also bevor man natürlich über den Umzug nachdenkt, oder im Rahmen der Umzugsplanung ist natürlich vor allen Dingen dann, wenn man in Deutschland wohnt oder unbegrenzt steuerpflichtig ist, beziehungsweise heute eigentlich auch generell als EU-Bürger. Es ist entscheidend, ob man darüber nachdenkt, ob man von einer so genannten Wegzug Besteuerung oder auch im englischen die sogenannte Exit Tax, die eigentlich auch mehr in Deutschland eher die Entstrickung ist, betroffen ist, denn es ist nun doch eine Sache, die ausgesprochen kostspielig sein kann. Ich hab gestern mit einem Mandanten besprochen, der hat ein Unternehmen in Berlin gehabt, oder hat ein Unternehmen in Berlin, Softdrink Unternehmen. Kein großes Unternehmen, was hat der gemacht, so 1 Millionen im Jahr. Dann ist er umgezogen in die Schweiz und die Wegzug Steuer, die er bezahlen musste in Deutschland waren 260.000 Euro.
Magnus: Also ganz kurz, also ich bin gar nicht mehr in Deutschland, wohne nicht mehr in Deutschland, gehe mit meinem Unternehmen in die Schweiz, aber ich muss trotzdem an das deutsche Finanzamt noch bezahlen?
Sebastian: Nein, du wohnst in Deutschland, hast ein deutsches Unternehmen, und das deutsche Unternehmen macht Gewinn und ist möglicherweise recht erfolgreich und du ziehst in die Schweiz um, dann wird vom Finanzamt ein fiktiver Veräußerungserlös für deine Unternehmensanteile berechnet. Das heisst Deutschland sagt ok, deine Softwarebude in Berlin ist Wert 13x der Gewinn, wenn der Gewinn 100.000 Euro ist, dann wird der Wert auf 1,3 Millionen Euro geschätzt und davon kannst dann sagen 1/3 oder 20% sind an Steuern fällig. Wenn du innerhalb der EU umziehst kann die gestundet werden. Die Schweiz ist aber eben nicht in der EU, für Großbritannien gilt das gleiche, USA gilt das gleiche. Das heisst, dann muss die bezahlt werden, dann musst das eben bezahlt werden. Mein Mandant musste 260.000 Euro bezahlen beim Umzug in die Schweiz an das deutsche Finanzamt und hatte damit ehrlich gesagt nicht gerechnet. Und das sind eben Dinge, da muss man sehr drauf achten. Wir haben dennoch Mandaten, die in die Schweiz umziehen, haben das alles dann in Deutschland aufrechnen müssen, haben insgesamt in Deutschland sogar mehrere Millionen bezahlt an Wegzugsteuer, sind aber trotzdem umgezogen, da sie gewusst haben, das sie das Thema dann endgültig vom Hals haben. Ich mein, das ist dann natürlich ein gewisses Lehrgeld, was man bezahlen muss, tut natürlich weh, aber da muss man in den sauren Apfel beißen. Das ist natürlich bei der Planung für die Liquidität extrem wichtig, dass man genau prüft, ob man davon betroffen ist. Jetzt gab es bis vor kurzem war die Wegzugsteuer in den meisten Ländern kein Thema, hauptsächlich in Deutschland, aber seit der EU Anti-Geldwäscherei-Richtlinie ist jetzt die so genannte Exit Tax EU weit ein Thema. Also auch wenn ich von Bulgarien in die Schweiz ziehe oder von Lettland in die Schweiz ziehe oder von wo auch immer, dann sind mögliche Implikationen, die ich gerade eben beschrieben habe, fiktiver Veräußerungserlös und so weiter, muss da berücksichtigt werden. Manche Länder sind da relativ freundlich, wie jetzt zum Beispiel Malta, aber bei weitem nicht alle und das ist so ein Thema, was man unbedingt beachten muss. Denn möglicherweise kommt man zu dem Schluss, dass man es sich gar nicht leisten kann. Es gibt auch andere Mandaten, die sagen einfach ok, ich verkauf das Unternehmen und starte komplett neu. Das ist natürlich genauso möglich.
Benno: Also heute hatte ich einen Bereich, wo du starkes Wachstum siehst in einem Geschäft, dann lohnt sich dann eben die Investition der Wegzugsbesteuerung oder der Zahlung der Exit Tax, denn dann können sie sich neu aufstellen und dann geht's durchs Dach.
Magnus: Ja genau, da stimme ich dir absolut zu.
Benno erklärt uns daraufhin, in welche Gruppe Einwanderer in der Schweiz eingeteilt werden und welche Bewilligungen und damit verbundenen Vorraussetzungen existieren, um sich in der Schweiz aufhalten zu dürfen.
17:31 Voraussetzungen für einen Aufenthalt in der Schweiz
Benno: Im großen Ganzen unterscheiden wir 2 Töpfe, das sind die Ausländer, die aus dem UEF Bereich kommen und dann haben wir die Drittstaaten und ich glaube wir sprechen mal über die UEFler. In der Schweiz, was viele Leute nicht wissen, ich will das aber trotzdem sagen. Wir unterscheiden eigentlich zwischen Aufenthalt und Arbeit. Also eine Arbeitsbewilligung und eine Aufenthaltsbewilligung. Warum ist das relevant? Die Bewilligungen Aufenthalt und Arbeit, die werden auf kantonaler Ebene ausgegeben. Also wenn jemand jetzt EUFler Passport hat, spielt das keine Rolle, weil wir da keine Kontingente haben. Das ist frei, da kann jeder kommen und kann jeder gehen wie er will. Wir unterscheiden eigentlich im Aufenthalt zwischen so genannten Personen, die nicht erwerbstätig sind und erwerbstätigen Personen. Ganz einfach, nicht erwerbstätige Personen, die müssen einen Krankenversicherungsnachweis und einen Nachweis, dass sie über genügend finanzielle Mittel verfügen, damit sie in der Schweiz ohne Erwerbstätigkeit die Lebenshaltungskosten bestreiten können. Das ist immer die eine Geschichte. Und dann gibt's die Leute, die kommen für einen Job, für einen Beruf. Bis 90 Tage braucht es keine spezielle Bewilligung oder eine Aufenthaltsbewilligung respektiv Arbeitsbewilligung. Das ist ein automatisches Meldeverfahren. 90 Tage dürfen Leute kommen, die noch keine Job haben, die noch einen Job suchen. Die müssen dann aber wenn sie keinen Job haben, nach 90 Tagen wieder gehen. Die Personen, die entweder einen unbefristeten Arbeitsvertrag oder einen Arbeitsvertrag nachweisen können, der mindestens 1 Jahr gültig ist, also Jahresverträge, die bekommen relativ zügig diese Aufenthaltsbewilligung B sagen wir. Die wird ausgestellt ab 5 Jahre in den meisten Fällen, aber es gibt Ausnahmen wie Kroatien oder andere bestimmte osteuropäische Länder, da gibt es zuerst mal 2 Jahre und die werden dann nach 5 Jahren nochmal um 5 Jahre verlängert.
Magnus: Und richtig zügig heisst innerhalb einiger Wochen?
19:52 Über das Problem mit der Arbeitsbewilligung für Drittstaatler
Benno: Eine Woche, zwei Wochen, dann ist das erledigt. Das ist ganz einfach. Also EU Pass gilt. Was oftmals falsch verstanden wird, ich will das der Vollständigkeit halber sagen, also ich gebe ein Beispiel. Argentinische BürgerInnen mit spanischer Aufenthaltsgenehmigung gilt eben nicht als EUFler Pass Halter, sondern gilt als Drittstaat. Das heißt, wenn ein Nicht-EUF Passhalter eben eine Aufenthaltsbewilligung hat in Europa, ist das nicht gleichzustellen mit einem Pass eines europäischen Landes. Das ist ganz ganz wichtig. Geht oftmals falsch. Gut, also, das ist die EU FTA Arbeitsbewilligung für Drittstaaten, sage ich mal so ist praktisch unmöglich. Ich glaube das Kontingent ist Moment dieses Jahr ist ab 7000 Arbeitsstellen und jetzt will ich sagen, also 2/3 dieser Arbeitsbewilligungen gehen an die chemische Industrie und der Rest an die IT Industrie. Und dann ist das weg. Und das die meisten Großunternehmen, das ist Innovat, UPS oder Google den Großteil dieser Arbeitsbewilligungen absaugen. Was ist wichtig, wenn jemand von einem Drittstaat kommt? Jeder Kanton hat bestimmte Kontingente, also der Kanton Zürich hat am meisten von diesen Arbeitsbewilligungen, aber die haben natürlich auch am meisten Nachfrage. Also es kann sein, dass der Kanton Zürich eben die Arbeitsbewilligung nicht gibt, aber Kanton Oberwalden hat vielleicht noch eine Arbeitsbewilligung. Ja, da ist wirkliches so ein kantonales Shopping und das Timing und die richtigen Beziehungen und die richtigen Anwälte involviert, die machen dann den möglichen Unterschied.
Magnus: Das heisst die natürliche Person, das lässt sich alles recht gut darstellen. Wenn ich jetzt aber auf die Ebene der juristischen Person gehe, also der Firma, kann ich da ähnlich schnelle Bearbeitung erwarten oder wie ist da das Vorgehen?
Sebastian: Firmengründung meinen wir jetzt, oder?
Magnus: Genau, ja.
Benno: Ja, wir sind ja das Land von Käse, Schokoladen und Banken und Uhren. Uhren kaufen, einfach. Käse kaufen, einfach. Schokolade kaufen, einfach. Ein Bankkonto eröffnen nicht mehr so einfach. Ich will da mal so sagen, bei der Gründung von juristischen Personen durch Ausländer, aber auch durch Schweizer, das macht garnicht so den Unterschied. Da ist das größte Hindernis eine Bank zu finden, die bereit ist, dass Gesellschaftskonto zu führen. Das ist ganz ganz schwierig geworden. Das hat verschiedene Komponenten. Erstens zahlt das nicht sehr gut und zweitens ist das Verhältnis zum Risk Reward relativ klein. Und in meiner Tätigkeit bei der Gründung Schweizer Aktiengesellschaft ist, da ist es halt das Problem, eine Bank zu finden, die in das Aktienkapital-Einzahlungskonto begleitet, aber sonst Handelsregister technisch unkompliziert.
23:01 Der Lichtblick der Bürokratie in der Schweiz
Magnus: Den einen Lichtblick in der Bürokratie einer Firmengründung in der Schweiz gibt es.
Benno: Die Schweiz hat den Unterschied zu anderen Staaten in Europa, die ganze Verwaltung arbeitet ja in der Unterstützung von Bürgern und nicht umgekehrt. Also der Staat ist für den Bürger da und nicht umgekehrt. Ich gebe ein Beispiel. Also wenn wir Fragen haben in steuertechnischer Hinsicht oder Fragen haben in bewilligungstechnischer Hinsicht, mein Sohn hatte gerade eine Anfrage sag ich mal, dann rufen wir den Kanton an und fragen, was müssen wir machen, damit das funktioniert? Das ist eine ganz offene Kommunikation und in der Regel, da werden Sie sehen, der Steuerkommissar der einzelnen Gemeinde ist eigentlich ihr bester Steuerberater. Der billigste auf jeden Fall. Der sagt, wie man es am besten macht, wie man es am besten nicht macht und ich glaube das ist ein unbekanntes Verständnis, das Verhältnis zwischen Bürger und Staat, denke ich auch in Deutschland kann das zum Teil auch ein bisschen problematisch sein. Also Handelsregister Gründung von Gesellschaften grundsätzlich kein Problem. Das Ranking ist schon ein bisschen schwieriger geworden also auch schon, aber eben als Business unkompliziert.
24:20 Tips zur Integration in die Schweiz
Magnus: Wenn ich jetzt also als Unternehmer in der Schweiz lebe, wir sind ja quasi jetzt schon mittendrin im Leben in der Schweiz. Du hast es schon angesprochen, die Schweizer haben eine andere Mentalität, ein anderes Verständnis von Staat und Verwaltung. Was ist für dich der größte Unterschied vielleicht zu Deutschland? Worauf muss ich mich einstellen, wenn ich als Deutscher in die Schweiz ziehe?
Benno: Ja gut, das erste ist natürlich, dass wenn du als Deutscher in die Schweiz kommst, lässt dich das jeder wissen, dass du Deutscher bist. Das ist leider so. Aber ich kann auch sagen, es hat sich massiv gebessert, weil ich glaube, da werden zum Teil immer Fehler gemacht. Der Zuzügler, also was ich machen will, wenn ich von Deutschland in die Schweiz komme, meine Kinder gehen in die öffentliche Schule. Hoher Standart, keine Privatschulen, ich habe einen Freund, ein Mexikaner, der hat seine Kinder in einer sehr bekannten Privatschule in Zürich platziert. Die hatten einen (()) der Studenten pro Jahr von über 60%. Seine Tochter hatte zum Schluss niemanden in Zürich als Freund oder Freundin als sie zur Uni ging, weil alle dann irgendwo in Standford waren oder zurück in Mexiko oder Südamerika oder wo auch immer. Also den Anker zu suchen, wenn man Kinder hat, die schulpflichtig sind, ist eben ein guter Ratschlag ist, dass man Kinder in öffentliche Schule schickt. So gelingt das eigentlich relativ schnell, Fuß zu fassen.
25:52 Das Bildungssystem der Schweiz
Magnus: Um mehr auf das Bildungssystem und den Bildungsstandard Schweizer Schulen einzugehen, hat Benno folgendes zu sagen.
Benno: Wir haben ein dezentralisiertes System, wir haben die so genannte altgenössische Matura, das ist abgespeckt vom deutsche Abitur. Gleiche (()) Ausbildung, Sprachen und so weiter. Da gibt es verschiedene Wahlmöglichkeiten. Das sind Gratis Schulen, die werden angeboten ab dem Alter 13 oder 15, Kurz- oder Langzeitgymnasium sagen wir hier auch. Und guter Standard und dann natürlich eben auch die Kinder, die sich entscheiden, eben nicht akademisch zu bilden, die können diese Realschulen besuchen und dann eine Berufslehre machen. Das System in der Schweiz ist sehr sehr gut. Und da haben wir auch die Fachhochschulen, also die Durchlässigkeit von Leuten, von Jungen, die eben zum Beispiel eine Schreinerlehre machen. Ich gebe euch ein Beispiel. Ich habe einen Freund, der war ein Zimmermann, der hat eine Zimmermannlehre in Appenzell gemacht und am Schluss hat er dissertiert an der ETH Zürich, an der altgenössischen technischen Hochschule in Saarbrücken. Also, das gibt eine totale Durchlässigkeit der Systeme. Das ist etwas, was ich eigentlich sehr interessant finde. Ich glaube, wenn es so die Lebensqualität eines jeden Mannes frei gibt, das noch dranhängen.
27:18 Der Krankenschutz in der Schweiz
In der Schweiz haben wir Kassenpflicht, wenn es um die Kanten Versicherung der Kassen geht. Das ist interessant, also wenn einer in der Schweiz wohnt offiziell, muss er bei einer Schweizer Krankenkasse eine Grundversicherung mindestens abschließen. Das tönt nach Zwang, kann aber auch ein Privileg sein. Also wir haben in der Vergangenheit Leute in die Schweiz gebracht, damit sie eben diesen Versicherungsschutz haben, weil die Grundversicherung da keine vorbestehenden Krankheiten oder medizinische Zustände ausschließt. Also das ist eine Universalversicherung, wo zum Beispiel Leute, die eben vielleicht im amerikanischen System oder im südamerikanischen oder Privatversicherungen eben Ausschlüsse hätten in der Deckung. Da gibt es also Leute, die kommen aus diesem Grund in die Schweiz.
Magnus: Und man muss sagen, das Schweizer Gesundheitssystem ist ja gerade im Vergleich zum Deutschen noch sehr gut. Also ich kenne viele hier in der Grenzregion, die lieber in ein Schweizer Spital gehen als sich im deutschen Krankenhaus behandeln zu lassen.
Benno: Ja, das ist, weil wir all die deutschen Ärzte haben. Die verdienen ein bisschen mehr in der Schweiz.
Magnus: Ja, das ist so.
28:24 Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz
Sebastian: Ja, da sind wir auch schon beim Punkt, ja. Also ich meine ein großer Unterschied zwischen Schweiz und Deutschland und in gewisser Weise auch grundsätzlich ist ja in der Schweiz, dass die Preise relativ hoch sind. Also ich kenne einen, der ist in die Schweiz umgezogen und der hat mir gesagt, in Zürich kannst du nicht leben, außer du machst mindestens 250 Riesen im Jahr. Also, würdest du das genauso sagen?
Benno: Ja, das stimmt. Aber ich glaube diese Rechnung musst du machen im großen Ganzen, also als ich in den Bahamas gelebt habe, weisst du wenn du in die Bahamas ziehst, dann zahlst du keine Steuern, aber du musst 2 mal im Jahr mit der ganzen Familie in die Schweiz zurück, du zahlst Privatschulen, du zahlst dies und das und unterm Strich sagst du, ja also Bahamas lohnt sich auch nur, wenn du eine halbe Millionen verdienst. Vorher lohnt sich das garnicht.
Und ich glaube in der Schweiz, wenn die Leute die Kinder auf teure Schulen schicken und so, auch wenn die öffentlichen Gymnasien eben sehr sehr gut sind und eine hohe Qualität haben. Das ist eben für mich ein Kostenstandpunkt. Ich kann dir sagen, meine Tochter die geht an die ETH Zürich, die bezahlt ungefähr 400 Franken Studiengebühren. Und wenn sie das jetzt am MIT machen würde oder George Town, dann sind das 60.000 bis 80.000 pro Jahr. Das kennst du ja. Und da, wenn man das eben selber plant und dann eben auch auf die Systeme vertraut, die vielleicht eben außerhalb dieser klassischen Expat Autobahnen funktionieren, dann kann es sich eben unter dem Strich auch ganz gut lohnen.
Magnus: Aber ich glaube gerade bei Kindern, um noch da einzuhaken, ist es schon so, also je jünger sie sind, also gerade in der KiTa habe ich einige Freunde, die in der Schweiz wohnen, die zahlen Beiträge von von teilweise 2000 Franken im Monat.
Benno: Das ist ein anderes Problem. Das ist richtig. Also als unsere Kinder ganz klein waren, noch mit 2 Jahren in der Schweiz waren, dann ging eigentlich der Lohn meiner Frau als Anwältin an den Kindergarten. Ja, genau.
Magnus: Und um da vielleicht noch ein Wort zu verlieren, allgemein Miete, Lebensmittel, Freizeitangebote. Da ist das Preisniveau natürlich schon deutlich höher. Wie würdest du den Standard dort einschätzen?
Benno: Wir haben ein bisschen die Tendenz einen sehr hohen Standard zu haben und dann beschweren wir uns, dass es teuer ist. Also das ist definitiv so. Also die Schweiz, wenn du in Deutschland in den Supermarkt gehst, da bezahlst du massiv weniger. Ich will aber auch sagen, auch wenn du in der Schweiz eben im Supermarkt im Kopert oder Mega oder wie die da heissen kaufst, dann kauft man in der Regel auch gute Qualität. Ob sich das alle leisten können, so gute Qualität zu bezahlen, das ist eine andere Geschichte.
31:12 Make a long story short - Fragen an Benno
Magnus: So, jetzt kommen wir noch zu meiner Lieblingsrubrik. Make a long story short. Wir stellen Fragen, die Benno kurz und knapp beantwortet.
Magnus: Hat sich der Umzug für dich in die Schweiz, man muss ja bei dir eher sagen, es ist die Rückkehr in die Schweiz, hat sich das gelohnt?
Benno: Ja, auf jeden Fall. Wichtig ist halt auch, dass man weiß wo man hin will bevor man irgendwo hin weg geht. Und ich glaube es ist wichtig, dass man das plant. Gerade beim Umzug geht es ja nicht nur um das Geld oder um die Steuern, sondern es geht auch darum, dass man sich dann wirklich wohl fühlt und die Familie sich auch wohlfühlen kann.
Magnus: Nächste Frage. Würdest du die Schweiz als ein unternehmerfreundliches Land einschätzen?
Benno: Ich glaube es ist kompliziert in der Schweiz, wenn man ein Kleinstunternehmer sein will und es kann komplex sein, wenn man ein großes Unternehmen hat. Aber ich würde sagen, im mittleren Bereich ist die Dienstleistung und die Servicequalität auch der Behörden relativ gut. Der Zugang zu den Behörden ist gut, Zugang zu Banken ist gut, Immobilien, Schulen und so weiter, das ist alles ziemlich frei zugänglich.
Magnus: Und wie würdest du die ganze Sache einschätzen, wenn ich qualifiziertes Personal in der Schweiz suche. Werde ich dort fündig?
Benno: Ja, ich glaube das ist kein Problem. Ich glaube die Frage ist mehr dann auch eine Frage der Höhe der Löhne. Die Schweiz hat ein sehr hohes Lohnniveau, hat aber auch ein gutes Ausbildungsniveau und ich denke, die Angestellten sind wirklich auch selbstmotiviert.
Magnus: Gut, das haben wir vorhin ja schon gehört, dass die Lebenshaltungskosten in der Schweiz insgesamt einfach höher sind. Nächste Frage wäre, was wäre für dich der Hauptgrund warum ein Unternehmen in die Schweiz ziehen sollte.
Benno: Ich glaube die Lebensqualität des Eigentümers und ich glaube auch der hohe Standard an Arbeitskräften. Vor allem wenn man serviceorientiert ist, kann man da gute Produkte und Dienstleistungen erstellen.
Magnus: Gegenfrage dazu. Der Hauptgrund für dich warum ich auf keinen Fall in die Schweiz ziehen sollte.
Benno: Da gibt es keinen.
Magnus: Die Schweiz als das gelobte Land kann man sagen.
Benno: Ja genau, wo Milch und Honig fließen und Schokolade.
Magnus: Und viele Deutsche.
Magnus: Also es gibt nichts, wo du sagen würdest, da muss ich mich drauf einstellen, Vorsicht als Deutscher.
Benno: Nein, ich glaube wir haben das schon angesprochen, also das Preisniveau ist halt hoch in der Schweiz, aber man bekommt da Qualität dafür.
Magnus: Als Deutscher sinnvoll es zu versuchen Schweizerdeutsch zu lernen oder sollte ich es lieber gleich lassen?
Benno: Nein, ich glaube was wichtig ist, ist wenn man irgendwo hinzieht, ob das jetzt Mexiko oder Schweiz oder Monacco ist, dass man dann eben auch da ist, also präsent. Ich glaube das aktiv involviert sein zum Beispiel in der Gemeinde, wo man wohnt, teilnehmen im Tennis Club, eben die Schüler, die Kinder gehen gleich in die öffentlichen Schulen, Privatschule. Das ist viel wichtiger, als das unmögliche akzentfreie schweizerdeutsch sprechen.
Magnus: Gut, ich glaube, die nächste Frage hast du auch schon ein bisschen beantwortet mit den anderen. Was macht die Schweiz für dich so lebenswert?
Benno: Ich sag dir was mir eigentlich gefällt in der Schweiz ganz besonders. Du kannst ja auch im Unterschied zu Amerika, wo ich auch lange gelebt habe, du kannst also hier zum Haus raus und über die Wiesen laufen und in den Wald ohne das dich einer anschiesst. Mit anderen Worten, wir haben schöne Natur und der Zugang ist auch frei dazu. Und ich glaube, das ist ein ganz ganz wichtiges Element für mich, was mir gefällt in der Schweiz.
Magnus: Eine Frage noch, die mich auch persönlich interessieren würde. Jetzt hast du ja in vielen Ländern auf der Welt gelebt. Du hast es ja angesprochen. USA, Bahamas haben wir einleitend gehört. Was ist für dich overall das Land mit der höchsten Lebensqualität vielleicht in deinem persönlichen Ranking, wo du sagen würdest, da lohnt es sich zu leben.
Benno: Ich glaube im overall Ranking ist es schon die Schweiz. Ich denke aber auch, je nachdem, was die Lebensverhältnisse sind. Also wenn man Familie mit Kleinkindern hat, dann ist es vielleicht in einem anderen Land besser. Wenn man Kinder hat im Ausbildungsalter wie ich, also Universität, ETA, dann ist die Schweiz ein ganz guter Ort. Ich glaube das hängt auch stark davon zusammen, wo jede einzelne Person für sich steht in der Definiton.
Magnus: Sebastian, du als Weltenbummler, du hast ja auch schon an einigen Ort gelebt. Was könntest du dort sagen im overall Ranking?
Sebastian: Also, ich hab ja auch in der Schweiz gewohnt für ein paar Jahre, auch wenn es jetzt schon 20 Jahre her ist bald, aber genau die Schweiz fand ich dann schon attraktiv. Ich denke mich hat es dann eher zu den angelsächsischen Ländern hingezogen wie Großbritannien und USA, aber ja, die Schweiz ist absolut ein guter Ort zu leben. Also ich glaube im deutschsprachigen Raum, also für viele muss man auch sagen, ist die Sprache ein ganz wichtiger Punkt, weil man vielleicht auch mit dem englischen zwar leicht zurecht kommt, aber vielleicht jetzt nicht 100%ig zurecht kommt oder nicht persönlich damit warm wird, sagen wir es mal so. Und da ist natürlich dann die Sprache extrem wichtig und da hat die Schweiz natürlich ein riesen Vorteil, was die Sprache anbelangt. Und auch die Grenzen, mit dem Auto mal eben schnell rüber fahren Leute besuchen gehen, ja je nachdem wo man wohnt. Das ist natürlich alles dort gegeben.
Magnus: Ok Benno, wenn man dich jetzt finden möchte in der Schweiz. Du bist Anwalt und dort auch tätig. Wie könnte man dich kontaktieren?
Benno: Man findet mich im Internet. Ich habe selber einen feinen Blog, der heisst der Benno Factor, da findet man mich auf Instagram auch. Aber am einfachsten ist es über die Webseite, das ist www.raeberlaw.ch. Da kann man mich gut finden.
Magnus: Wunderbar. Vielen Dank. Benno, da bleibt mir ja an dieser Stelle nicht mehr viel zu sagen als vielen Dank für diesen interessanten Einblick. Ich glaube wir haben einen guten Rundumschlag geschafft für Unternehmer, die überlegen in die Schweiz zu ziehen. Wir kennen die Pros und die Kons jetzt und jetzt muss jeder für sich entscheiden, ob die Schweiz noch das richtige Zielland ist.
Benno: Ja, wenn jemand mit dem Gedanken spielt in die Schweiz zu kommen, einfach mich kontaktieren, ich bin gerne für ein Gespräch oder wenn es dann später mal passt für ein Bier oder Kaffee zu haben.
Magnus: Das war Perspektive Ausland - Der Postcast für alle Unternehmer, die es ins Ausland zieht. Bis zur nächsten Folge.