Chase Bank USA: So habe ich Konten eröffnet (ohne in den USA zu leben)
Wer sich für eine finanzielle Identität in den USA interessiert, steht oft vor der Frage: Wie eröffne ich überhaupt ein amerikanisches Bankkonto – und was muss ich dafür mitbringen? Ich war kürzlich gemeinsam mit einem Seminar-Teilnehmer bei der Chase Bank in Austin, Texas, um sowohl ein Geschäftskonto als auch ein persönliches Konto zu eröffnen. In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen und erkläre Schritt für Schritt, was dabei zu beachten ist.
Warum überhaupt ein US-Bankkonto?
Für viele deutschsprachige Unternehmer, Freiberufler und Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wird der US-amerikanische Finanzmarkt immer attraktiver – und das aus gutem Grund:
Riesiger Finanzmarkt: Die USA bieten Anlage- und Finanzprodukte, die es in Europa schlichtweg nicht gibt.
Kein automatischer Informationsaustausch: Anders als die meisten EU-Länder nimmt die USA nicht am automatischen Datenaustausch nach OECD-CRS teil. Wer sich Sorgen um das neue zentrale EU-Kontenregister macht oder einfach mehr Privatsphäre wünscht, findet in den USA eine interessante Alternative. (Wichtig: Steuerlich muss man US-Konten selbstverständlich in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ordnungsgemäß angeben.)
Credit Score aufbauen: Wer irgendwann in die USA auswandern möchte, sollte frühzeitig mit dem Aufbau eines amerikanischen Credit Scores beginnen. Ohne Bonität gibt es in den USA kein Auto, keinen Handyvertrag und kaum eine Wohnung.
Plan B und Vermögensschutz: Ein zweites wirtschaftliches Standbein in den USA, Vermögen außerhalb des Euros halten, oder ein US-Unternehmen mit eigenen Umsätzen – all das ist leichter mit einem US-Konto umsetzbar.
Travel Hacking: Mit amerikanischen Business-Kreditkarten lassen sich durch normale Geschäftsausgaben Punkte und Meilen sammeln – genug für Business- oder First-Class-Flüge zu einem Bruchteil des regulären Preises.
Warum Chase Bank?
Chase ist nach meiner persönlichen Einschätzung die gesündeste und stabilste Großbank in den USA. Im Vergleich etwa zur Bank of America – die sich durch den ungünstigen Kauf von US-Staatsanleihen einem gewissen Unterkapitalisierungsrisiko ausgesetzt hat – steht Chase deutlich besser da.
Darüber hinaus bietet Chase meiner Meinung nach die besten Business-Kreditkarten in den USA. Zu den Premium-Karten gehören:
Chase Sapphire Reserve – für Privatpersonen
Chase Ink Business Preferred Credit Card – für Unternehmen
Diese Karten sind zwar erst nach dem Aufbau eines guten Credit Scores erhältlich, aber das Ziel ist klar definiert.
Was muss man für die Kontoeröffnung mitbringen?
Hier ist die vollständige Checkliste der notwendigen Unterlagen:
Für das Geschäftskonto (LLC):
✅ Eine gegründete US-LLC (Limited Liability Company)
✅ Die EIN (Employer Identification Number) – die Steuernummer des Unternehmens
✅ Gründungsunterlagen sind nicht zwingend nötig – die Bank prüft alles online
Für das persönliche Konto:
✅ ITIN (Individual Taxpayer Identification Number) – die persönliche US-Steuernummer für Ausländer
✅ Reisepass
✅ Amerikanische Wohnadresse mit echtem Adressnachweis (z. B. Strom-, Gas-, Wasser- oder Telefonrechnung)
⚠️ Wichtig: Die US-Adresse muss eine echte Wohnadresse sein – keine Mailbox und keine reine Geschäftsadresse. Die Bank erkennt das sofort im System.
Der Ablauf bei der Kontoeröffnung
Wir haben vorab einen Termin bei der Chase-Filiale in Austin vereinbart und klar kommuniziert, dass wir ein Geschäfts- und ein Privatkonto eröffnen möchten. Der Ablauf war überraschend unkompliziert:
Zuerst wurde das Geschäftskonto der LLC eröffnet.
Auf Basis des Geschäftskontos wurde dann das persönliche Konto eröffnet.
Der gesamte Termin dauerte rund eineinhalb Stunden – hauptsächlich wegen der Dateneingabe und dem Kopieren der Unterlagen.
Kreditkarten wurden direkt im gleichen Termin beantragt – sowohl privat als auch für das Unternehmen.
Noch in der Filiale wurde der Zugang zur App eingerichtet und erklärt.
Was die Bank fragt – und was nicht
Ein wichtiger Punkt: Die Compliance-Anforderungen in den USA sind deutlich weniger restriktiv als in Europa. Die Bank fragt nicht nach dem steuerlichen Wohnsitz, nicht danach, ob man anderswo steuerpflichtig ist. Es werden lediglich die US-Adresse und die amerikanische Steuernummer benötigt. Das ist relevant, weil man der Bank gegenüber nicht lügen möchte – und das muss man hier auch gar nicht.
Mindesteinlage und Gebühren
Ca. 1.000 USD Guthaben sollte auf dem Konto bleiben, um monatliche Kontoführungsgebühren zu vermeiden.
Wer diesen Betrag nicht halten kann, zahlt eine monatliche Gebühr von etwa 12 USD.
Die ITIN – warum sie so wichtig ist
Ohne ITIN läuft in den USA für Ausländer wenig. Der Credit Score wird direkt mit der amerikanischen Sozialversicherungsnummer (SSN) oder eben der ITIN verknüpft. Wer keine ITIN hat und trotzdem ein Konto eröffnet, muss seine deutsche Steuernummer angeben – und dann greift FATCA, der automatische Informationsaustausch zwischen den USA und Deutschland.
Fazit: Immer erst auf die ITIN warten, bevor man ein US-Konto eröffnet. Die Beantragung kann zwei bis drei Monate dauern.
Wie bekommt man eine ITIN? In der Regel benötigt man dafür eine US-LLC. Ohne LLC bekommt man als Ausländer keine ITIN – es sei denn, man hat z. B. eine Ferienimmobilie in den USA.