Auswandern & Erben: Die gefährliche Steuerfalle für Deutsche (§ 2 ErbStG)
Überlegst du, Deutschland zu verlassen, um Steuern auf Schenkungen und Erbschaften zu sparen? Viele denken, ein Umzug ins Ausland befreie sie von der deutschen Steuerpflicht – doch so einfach ist es leider nicht. Selbst wenn du deine Zelte in Deutschland abbrichst, kann das Finanzamt noch überraschend lange die Hand offenhalten. Dieser Blog beleuchtet, wie lange du nach deiner Auswanderung noch schenkungs- und erbschaftssteuerpflichtig bist, worauf du achten solltest und gibt dir wichtige Tipps für eine clevere Nachlassplanung.
Der Irrglaube vom steuerfreien Neuanfang im Ausland
Viele Deutsche träumen von einem Ruhestand unter Palmen – möglichst mit optimalem Vermögensschutz und niedriger Steuerlast. Was viele jedoch nicht wissen: Verfügst du nach deinem Wegzug weiterhin über die deutsche Staatsbürgerschaft, bleibst du für das Thema Schenkungs- und Erbschaftssteuer noch eine ganze Weile eng mit dem deutschen Fiskus verbunden. Im Klartext: Selbst im Ausland kannst du noch für bis zu zehn Jahre in Deutschland steuerpflichtig bleiben – abhängig von deiner Vermögensstruktur und dem Land, in das du auswanderst.
Die 5-Jahres-Frist: Volle Pflicht trotz Auswanderung
Laut deutschem Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz bist du nach deinem Wegzug mindestens fünf weitere Jahre unbeschränkt steuerpflichtig – und zwar unabhängig davon, wo du lebst oder wer die Beschenkten sind. Es spielt keine Rolle, ob du selbst geerbt oder verschenkt hast: Innerhalb dieser fünf Jahre verlangt der deutsche Staat seinen Anteil, auch auf Vermögen, das längst außerhalb Deutschlands liegt. Erst nach Ablauf dieser Zeit entfällt die unbeschränkte Steuerpflicht.
Beschränkte Steuerpflicht – und wann sie greift
Nach fünf Jahren wirst du zumindest nur noch beschränkt erbschafts- und schenkungssteuerpflichtig: Dies betrifft vor allem Vermögenswerte, die einen Bezug zu Deutschland haben, etwa Immobilien oder Betriebsvermögen. Das bedeutet: Auch nach Ablauf der Fünf-Jahres-Frist bleiben deutsche Vermögenswerte steuerlich relevant – selbst, wenn du und deine Erben oder Beschenkten gar nicht mehr in Deutschland wohnen.
Die 10-Jahres-Regel: Erschwerende Umstände für "Steuerauswanderer"
Wer in ein sogenanntes Niedrigsteuerland umzieht oder sein Vermögen weiterhin wirtschaftlich mit Deutschland verflochten lässt, muss besonders aufpassen. In solchen Fällen verlängert sich die beschränkte Steuerpflicht auf zehn Jahre. Das bedeutet: Verschenkst oder vererbst du bspw. deutsche Aktien, deutsches Betriebsvermögen, ein deutsches Konto oder sogar Kryptowährungen mit deutschem Bezug, bleibt das deutsche Finanzamt ganze zehn Jahre lang auf der Hut. Besonders heikel: Auch spezielle Abkommen, z. B. zwischen Deutschland und den USA, können abweichende Fristen und Sonderregelungen enthalten.
So kannst du (legal) die deutsche Erbschafts- und Schenkungssteuer umgehen
Viele wollen wissen: Wie kann ich die Steuerlast reduzieren oder sogar vermeiden? Grundsätzlich gibt es drei Wege:
1. Abgabe der deutschen Staatsbürgerschaft: Nach dem Verzicht bist du nur noch mit in Deutschland belegenen Vermögenswerten steuerpflichtig. Für viele ist das allerdings keine realistische Option.
2. Kein deutsches Vermögen halten: Nur so kannst du nach Ablauf der Fristen das Thema hinter dir lassen. Doch Achtung: Viele Länder – auch im Wunsch-Auswanderungsland – haben eigene, teils sehr niedrige Freibeträge und hohe Steuersätze.
3. Stiftungslösungen: Durch Übertragung von Vermögen an eine Stiftung lassen sich Steuern teilweise umgehen. Hier ist jedoch große Vorsicht geboten, denn auch hier bestehen Steuerpflichten und viele juristische Feinheiten.
Die Tücken internationaler Nachlassplanung
Was viele vergessen: Auch im Ausland kann ein Erbfall teuer werden! Gerade klassische Auswanderungsländer wie Kanada, Australien oder auch die USA haben eigene Regelungen. In den USA etwa liegt der Freibetrag für Immobilien an Nicht-Einwohner bei nur 60.000 US-Dollar – danach wird mit satten 40 % Erbschaftssteuer zugelangt. In anderen Ländern können einzelne Vermögensstrukturen, Gesellschaften oder Stiftungen helfen – hier ist aber professionelle Beratung unverzichtbar.
Die richtige Nachlass- und Steuerplanung ist essenziell
Die Quintessenz: Ein einfacher Umzug ins Ausland schützt nicht automatisch vor der deutschen Steuerpflicht. Wer Vermögen und Nachlass klug strukturieren und langfristig schützen will, kommt nicht um eine fundierte steuerliche Beratung herum. Ein spezialisierter Anwalt oder Steuerberater kann deine individuelle Situation genau analysieren und zeigen, wie du legal deine Steuerlast minimierst, Nachlassfallen vermeidest und dein Vermögen optimal für zukünftige Generationen sicherst.
Wenn du dich mit dem Gedanken trägst, im Ruhestand auszuwandern oder dein Vermögen clever auf die nächste Generation übertragen möchtest: Nutze die Angebote zu Beratungsgesprächen oder besuche Seminare, bei denen genau diese Themen im Vordergrund stehen. Die Investition in professionelle Unterstützung zahlt sich meist doppelt und dreifach aus – erst recht, wenn es um dein Lebenswerk geht.
Fazit: Freiheit und Vermögensschutz erfordern kluge Planung
Deutschland bleibt nach Auswanderung noch lange ein wichtiger Player, wenn es um Schenkungs- und Erbschaftssteuer geht. Mit guter Vorbereitung und einer individuellen Strategie kannst du Fallstricke vermeiden, Steuern sparen und dir und deinen Nachkommen maximale finanzielle Freiheit sichern. Informiere dich, plane voraus und sei bereit, auch mal die Unterstützung von Experten in Anspruch zu nehmen – so machst du das Beste aus deinem neuen Leben im Ausland!